Stuttgarter Friedhöhe

Der spätere Stuttgarter Bürgermeister Johann Kercher schenkt 1622 dem Armenkasten zum Friedhofsbau ein ein Hektar großes Grundstück. Nach Namensänderungen wie Hupenloh, Huppenlauch und Hupenlow setzt sich nach 1797 ‚Hoppenlau‘ fest.

Durch die Schließung von Hospital-, Mittlerem Spital- und Leonhardskirchhof gewinnt der Hoppenlaufriedhof zunehmend an Bedeutung. Erweiterungen (1550-1853) sind die Folge.

Der abgegrenzte jüdische Teil wird 1834 nach einigen Diskussionen eingeweiht. Um die Wende zum 19. Jahrhundert wird der ehemalige Armeleutefriedhof in den Stadtbezirk eingegliedert und wird zur Grabstätte für Adel und Bürgerschaft. Nach der Schließung des Friedhofs 1880 (jüdischer Teil 1882) kommt er dennoch nicht zur Ruhe. Nach einer teilweisen Zerstörung im zweiten Weltkrieg werden die einstmals um die 5000 Gräber durch die Umformung zum Park auf ca. 1700 reduziert. Das Max-Kade-Gebäude wird auf einem Teil des ältesten Bereichs gebaut. Ein Straßenbau wird geplant und wieder verworfen. Mit der Bundesgartenschau 1961 werden Grabmale versetzt und neue zeitgenössische Grabsteine hinzugefügt. Der Umbau in einen Parkplatz oder der Bau des Kongresszentrums auf dem Gebiet sind nur weitere Punkte, die den umstrittenen Wert des Friedhofs deutlich machen.

Einige für die deutsche klassizistische Sepulkralkunst aussagekräftige Monumente stehen auf dem Hoppenlaufriedhof.

Die Epoche des Klassizismus fand in Deutschland in der Zeit von 1770 bis 1840 große Bedeutung. Sie symbolisierte ein Gegenmodell zum Stil des Rokoko und löste somit die Zeit des Spätbarocks ab. Geistiger Begründer des Stils ist Johann Joachim Winckelmann, der die Begriffe der ‚Edlen Einfalt‘ und ‚Stillen Größe‘ prägte. Zurückgreifend auf die vorwiegend römische Antike entwickelte sich eine Vorliebe zu allem Grundsätzlichen. Dies umfasste neben monumentaler Größe in allen Gebieten, einem hohen Anspruch an Ewigkeitswerten und strengen Kompositionsregeln, wie geradlinigem und geometrischem Formenkanon, die Orientierung am römischen Realismus und den klassischen Schönheits- und Proportionsvorstellungen.

Die Wiederentdeckung der Antike wird zelebriert und gewinnt in der Sepulkralkunst gegenüber den christlichen Darstellungsmöglichkeiten an Bedeutung. Hauptthema des Klassizismus natürlich auch auf Friedhöfen ist das Thema der Verewigung. Es entfaltet dort durch die Variationsfreiheit in der Umsetzung sein höchstes Können. Den Toten werden nicht mehr nur Grabmale entworfen, sondern Gedenkstätten.

Die Grabmäler

Die Grabmäler auf dem Hoppenlaufriedhof bestehen vorwiegend aus dem heimischen Sandstein, der Großteil ist schon stark beschädigt. Neben zeitgenössischen und typisch christlichen Darstellungen finden sich klassizistische Monumente, die das Friedhofsbild prägen. Die Antikenrezeption des Klassizismus führt zu vielen neuen Formen. Es finden sich Pyramiden, Obelisken, Sarkophage und Urnen, der Großteil der Grundformen besteht aus blockhaften, aufrecht stehenden Steinen als Altäre, Ädikulen, Säulen und Stelen, beziehungsweise Mischformen aus diesen. Es finden sich überwiegend ornamentale Dekorationen, figürliche Darstellungen hingegen sind eher selten. Zu letzterem zählt unter anderem die Wandlung der Skelettdarstellung des Todes hin zum Todesgenius in Gestalt eines Jünglings mit meist obligatorischer umgedrehter Fackel als Symbol des verlöschenden Lebens. Der Jüngling, Verweis auf den Todesgott Thanatos, kann sowohl mit als auch ohne Flügel dargestellt werden. Er ist gleichzeitig Bruder des Hypnos, Gott des Schlafes, welche beide den Übergang ins Reich der Toten darstellen. Der Tod wird nach Homer also mit dem Schlaf gleichgestellt, weshalb sich vor allem Symbole der Vergänglichkeit finden lassen. Zu diesen gehören neben der umgedrehten Fackel auch die Mohnkapsel, die als Schlafmittel und Zeichen des Todes gilt, wie auch die Urne, welche den Staub des Toten enthält. Putten erweitern die Symbolkraft zusätzlich noch um den ‚memento mori‘ Aspekt. Sterne auf den Grabmalen verweisen auf das die Finsternis durchdringende Licht und verbildlichen die Seele des Verstorbenen, die zu Gott gelangt. Ähnlich lässt sich der Schmetterling als Zeichen der unsterblichen Seele, die den Körper verlässt, interpretieren. Tränenfläschchen symbolisieren weiter den Schmerz der Hinterbliebenen.

Der Ouroboros, die Schlange die sich in Kreisform selbst in den Schwanz beißt, verkörpert den Kreislauf von Untergang und Wiederkehr. Pflanzliche Symbole umfassen unter anderem den Baum Apollos, den Lorbeer, welcher für die Künste und allgemein auch für die Festfreude in der antiken Kunst steht, wie auch den immergrünen Efeu, das ewige Leben und die dazugehörige Auferstehung. Weinlaub steht weiter als Symbol für die Wiedergeburt des Verstorbenen. Die Weintraube hingegen soll die Glückseligkeit im Paradies vorausahnen lassen. Neben den klassizistischen Ornamenten und Symbolen finden sich natürlich auch die klassischen der christlichen Sepulkralkunst: Neben den immer wiederkehrenden Kreuzen, welche natürlich durch die Auferstehung Jesu Christi das Sinnbild der Überwindung des Todes, das Zeichen des Triumphs und des ewigen Lebens inne haben, findet sich auch die Taube als Bild des heiligen Geistes. Als figürliche Darstellungen tauchen neben der Figur des Thanatos auch Reliefs und  Vollplastiken trauernder, in Falten gehüllter Frauen – auf Urnen gestützt – auf. Diese idealisierten und antikisierten Figuren verkörpern die Trauer um den Verstorbenen und vereinen die typischen Sepulkralthemen in sich.

Die vorrangig wirkenden Künstler auf dem sehr sehenswerten Stuttgarter Friedhof sind die Stuttgarter Johann Heinrich Dannecker, Philipp Jacob Scheffauer und der Italiener Antonio Isopi, dessen wichtigstes Werk die Württembergischen Wappentiere Hirsch und Löwe am Neuen Schloss darstellen. Danneckers und Scheffauers Gräber finden sich ebenfalls auf dem Hoppenlaufriedhof.

 

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