Münzen reinigen will gut überlegt sein: Bei den meisten Sammler- und Anlagemünzen mindert unsachgemäßes Putzen den Wert – oft dauerhaft. Ob Silbermünzen, Kupfermünzen, oxidierte oder alte Münzen: Die wichtigste Regel lautet, so wenig wie möglich einzugreifen und das Stück im Originalzustand zu belassen. Wann eine Reinigung trotzdem sinnvoll ist, wie Sie dabei vorgehen, ohne Schaden anzurichten, und warum die Patina bleiben sollte, erklären Ihnen unsere Experten aus dem Auktionshaus Schritt für Schritt.
Größte Vorsicht bei Aufbewahrung, Pflege und Reinigung von Münzen: Unvorsichtige Behandlung oder der Einsatz schädlicher Reinigungsmittel können irreparable Schäden verursachen und den Wert der Münzen mindern.
Im Allgemeinen ist es empfehlenswert, die Münzen so wenig wie möglich zu reinigen und im bestmöglichen Originalzustand zu belassen.
Dies betrifft besonders antike Kupfermünzen, deren Oberflächen im Laufe der Zeit oft eine natürliche Patina entwickeln, die von hellen Grün- bis Braun- und Schwarztönen reicht. Diese authentische Patina sollte unbedingt bewahrt werden, da sie ein unverkennbares Merkmal der Echtheit antiker Münzen ist.
Ähnliches gilt für alte Silbermünzen, wie Taler aus dem Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert. Insbesondere wenn die Oberfläche gleichmäßig dunkel ist, wird diese Patina in Sammlerkreisen hoch geschätzt. Selbst eine weniger attraktive Patina wird oft einem auf Hochglanz polierten Taler vorgezogen und erhält eine höhere Bewertung.
Gerade wer eine geerbte Sammlung verkaufen möchte, sollte sie vorher fachkundig bewerten lassen statt zu putzen – eine polierte Münze bringt fast immer weniger als eine mit intakter Patina.
1 Cent Münze.
Links ohne Patina.
Rechts mit Patina.
Für die Reinigung von modernen Münzen ab dem 19. Jahrhundert, die durch privaten Gebrauch oberflächliche Fettspuren oder oxidationsbedingte Flecken aufweisen, empfehlen wir ein warmes Reinigungsbad mit Geschirrspülmittel.
Achten Sie darauf, dass die Münzen sich nicht berühren oder stapeln. Die Konzentration der Seifenlösung richtet sich nach dem Münzmetall. Alte Münzen und Kupferlegierungen sind empfindlicher als Silber und Gold.
Wichtig ist, Münzen verschiedener Metalle nicht zusammen in einem Reinigungsbad zu reinigen. Gleiches gilt für weiße (Kupfer/Nickel) und braun-gelbe Kupferlegierungen (Messing und Bronze).
Die Einweichzeit beträgt etwa eine halbe Stunde, wobei Sie die Münzen mehrmals wenden sollten.
Beachten Sie, je wertvoller oder empfindlicher die Münze, desto sanfter sollte die Reinigung sein, insbesondere bei Goldmünzen. Entfernen Sie nur den oberflächlichen Schmutz, ohne das Münzmetall zu beschädigen.
Für die Pflege von Münzen empfehlen sich spezielle Tauchbäder aus dem Fachhandel. Diese ermöglichen ein kurzes Eintauchen der Münzen gemäß Herstellerangaben, nachdem sie zuvor in einem Seifenbad vorbehandelt wurden. Solche Bäder sind besonders wirksam gegen oxidationsbedingte Flecken auf neuen Silbermünzen und verleihen dem Metall neuen Glanz.
Es ist äußerst wichtig zu beachten, dass Münzen aus verschiedenen Metallen niemals gemeinsam in einem Tauchbad behandelt werden sollten, insbesondere bei den 5 DM Münzen mit Kupfer/Nickel-Oberfläche (1979 „Hahn“ bis 1986 „Friedrich II.“).
Wenn Sie dunkle Punkte auf Silbermünzen entdecken, die auf Beschädigungen hinweisen, können Sie diese vorsichtig mit einem Holzzahnstocher behandeln, der zuvor in Silbertauchbad benetzt wurde.
Nach der Reinigung oder dem Tauchbad sollten die Münzen gründlich unter fließendem Wasser abgespült werden. Anschließend empfiehlt sich das Wässern in einer Glas- oder Porzellanschale (kein Metall), in die frisches Wasser langsam einfließt. Tragen Sie dabei dünne, griffige Plastikhandschuhe, um die Münzoberflächen vor Hautschweiß zu schützen.
Die sorgfältige Trocknung ist entscheidend, um Wasserspuren zu verhindern. Legen Sie die Münzen zunächst kurz zwischen grobem Saugpapier (z. B. Küchenrolle) mithilfe einer gummibeschichteten Pinzette. Dieses Papier nimmt Wasser auf, ohne Rückstände zu hinterlassen.
Danach sollten die Münzen bis zu einer halben Stunde zwischen feinem, nicht fusselndem Fließpapier gelagert werden. Die obere Tuchschicht darf leicht angedrückt werden, aber keinesfalls gerieben werden. Zum Abschluss sollten die Münzen an einem warmen, luftdurchlässigen Ort (z. B. über einem Heizkörper) platziert werden, bis sie vollständig trocken sind.
Bitte beachten Sie, dass Sie die gereinigten Münzen auf keinen Fall mit einem Handtuch abtrocknen sollten, da dies Staubpartikel verursachen und Kratzer hinterlassen könnte.
Natron ist ein effektives Reinigungsmittel für Münzen, das in Drogerien und Lebensmittelläden erhältlich ist. Das Pulver, bekannt aus Brausepulvern, reagiert in Kontakt mit Flüssigkeiten und hilft dabei, Münzen von Schmutz zu befreien.
Nach dem ersten Reinigungsbad wird die Münze in Natron gelegt. Das Natronpulver reagiert mit Flüssigkeit und entfernt Schmutz. Danach muss die behandelte Münze sorgfältig unter fließendem Wasser abgespült werden. Anschließend kann die Münze ein zweites Mal in das Reinigungsbad gegeben werden. Zum Abschluss sollten Sie die Münze wie zuvor beschrieben spülen, wässern und trocknen.
Alternativ kann Natron auch im Wechsel mit Zitronensaft als eigenständiges Reinigungsverfahren verwendet werden. Legen Sie die Münze zunächst für etwa zehn Minuten bis eine Stunde in Zitronensaft, der Schmutz und Fett löst, ohne das Metall anzugreifen. Danach tauchen Sie die Münze direkt in Natronpulver, was die Säure neutralisiert und den Schmutz entfernt.
Achten Sie darauf, die Münze am Ende gründlich abzuspülen, zu wässern und zu trocknen. Zitronensaft eignet sich ebenso wie Tauch- und Wechselbäder zur Aufhellung von angelaufenen Silbermünzen.
Im Netz kursieren viele Hausmittel zum Münzen reinigen. Die meisten funktionieren chemisch tatsächlich – und genau das ist das Problem: Sie greifen unkontrolliert an und zerstören bei Sammler- und Anlagemünzen den Wert. Hier die gängigsten Mittel mit klarer Einordnung.
Ja, Cola löst dank Phosphor- und Kohlensäure Schmutz und Anlauf – aber unkontrolliert und ungleichmäßig. Zurück bleiben oft matte Flecken, Zuckerreste und eine angegriffene Oberfläche. Für alles mit Sammlerwert ist Cola tabu: Der Säureangriff entfernt die Patina und mindert den Wert dauerhaft.
Essig (Essigsäure), oft mit Salz kombiniert, ist das klassische Mittel für blanke Kupfer-Cent-Münzen. Es wirkt kräftig – zu kräftig: Die Oberfläche wird angeätzt, verfärbt sich rötlich und wirkt danach unnatürlich „überreinigt“. Sammler und Auktionshäuser erkennen das sofort, und es drückt den Preis. Für Sammlermünzen ungeeignet.
Reines Natron (Natriumbicarbonat) im Bad ist mild und kontrollierbar – so, wie oben beschrieben. Backpulver enthält zusätzlich Säuerungsmittel und Stärke und wird meist als scheuernde Paste verwendet: Das hinterlässt feine Putzriefen (Kratzer), die den Wert mindern. Wenn überhaupt, verwenden Sie reines Natron im Bad, niemals Backpulver als Scheuermittel.
Das Fazit zu Hausmitteln: Sie sind für wertlose Fundstücke in Ordnung, für alles mit möglichem Sammlerwert ein Risiko. Im Zweifel gilt: nicht putzen, sondern die Münzen fachkundig bewerten lassen – eine intakte Patina ist bares Geld wert.
Nach einer gründlichen Münzreinigung wird manchmal die Verwendung von Zapon-Lack zur Konservierung empfohlen, insbesondere für unedle Metalle wie Eisen oder Zink. Allerdings ist die Anwendung dieses Lacks unter Experten umstritten.
Selbst bei perfekter Anwendung kann das Entfernen der Lackschicht problematisch sein und den Münzwert beeinträchtigen.
Es kommt vor, dass Zapon-Lack unnötigerweise auf modernen Silbermünzen verwendet wird, die aufgrund ihres Edelmetallgehalts keine Konservierung benötigen. Dies kann zu unerwünschten Folgen wie vergilbten oder rissigen Silbermünzen führen.
Für den richtigen Umgang mit Münzen der höchsten Prägequalität „Polierte Platte“ (PP) bzw. „Spiegelglanz“ sollten Sie folgende Tipps beachten:
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