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Eine Goldpunze ist ein kleiner Stempel, der in ein Schmuckstück eingeschlagen wird und den Feingehalt des Goldes angibt. Sie sitzt an unauffälligen Stellen: auf der Innenseite von Ringen, am Verschluss oder letzten Glied von Ketten, am Bügel von Ohrsteckern, auf der Rückseite von Anhängern. Wer sie lesen kann, weiß, woraus sein Stück besteht.
Wenn Sie mehr über Silberpunzen erfahren möchten, lesen Sie unseren Artikel zur Identifizierung von Silberschmuck.
Dieses Lexikon ist zum Nachschlagen gebaut. Springen Sie zu dem Abschnitt, der zu Ihrem Stempel passt.
Was sind Goldpunzen?
Punze und Stempel meinen dasselbe. Der Begriff stammt vom Werkzeug: Eine Punze ist ein Stahlstift mit einem Zeichen an der Spitze, der mit einem Hammerschlag ins Metall getrieben wird. Was zurückbleibt, ist ein vertiefter Abdruck.
Bei Edelmetall hat dieser Abdruck eine feste Aufgabe. Er benennt den Feingehalt — also den Anteil an reinem Gold in der Legierung, gemessen in Tausendsteln des Gesamtgewichts. Ein Stück mit der Punze 585 besteht zu 585 von 1.000 Gewichtsteilen aus Gold, das sind 58,5 Prozent. Die übrigen 41,5 Prozent sind Zuschlagmetalle wie Kupfer, Silber oder Palladium, die das weiche Gold hart genug für den Alltag machen.
Neben der Feingehaltszahl finden sich häufig weitere Zeichen: das Signet der Werkstatt, ein Herstellerlogo, Initialen, bei Gerät ein amtliches Stempelzeichen. Jedes davon trägt eine eigene Information. Und genau in dieser Kombination liegt der Unterschied zwischen „das ist Gold“ und „das ist ein bestimmtes Stück von einem bestimmten Hersteller aus einer bestimmten Zeit“.
Ein Punkt vorweg, der viele Fragen erledigt: In Deutschland gibt es keine Pflicht, Schmuck zu punzieren. Das Gesetz regelt, wie gestempelt werden darf, wenn gestempelt wird — es verlangt die Stempelung nicht. Ein Stück ohne Punze ist deshalb nicht automatisch unecht.
Welche Punzen gibt es bei Gold?
Sechs Feingehalte sind bei deutscher Ware üblich.
| Punze | Karat | Goldanteil | Typisch für |
|---|---|---|---|
| 999 | 24 K | 99,9 % | Barren und Anlagemünzen. Für Schmuck zu weich |
| 900 | 21,6 K | 90,0 % | Ältere Münzen, historische Stücke |
| 750 | 18 K | 75,0 % | Hochwertiger Schmuck, internationale Standardlegierung |
| 585 | 14 K | 58,5 % | Häufigster Schmuckstandard in Deutschland |
| 375 | 9 K | 37,5 % | Einstiegssegment, viel britische Ware |
| 333 | 8 K | 33,3 % | Ältere deutsche Ware, in vielen Ländern nicht als Gold zugelassen |

Die Angabe erfolgt zwingend in Tausendsteln. Karat- und Lotangaben sind als Feingehaltsstempel in Deutschland seit der Vereinheitlichung nicht mehr zulässig — wenn Sie „14K“ oder „18K“ auf einem Stück lesen, stammt es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht aus deutscher Fertigung oder die Angabe ist eine Zusatzinformation neben der Zahl.
Der Punkt, der die meisten überrascht
Bei Schmucksachen und Uhrgehäusen darf jeder beliebige Feingehalt gestempelt werden. Nicht nur 585 oder 750 — auch 666, 732 oder 790 sind zulässig, solange die Zahl stimmt.
Das erklärt einen Großteil der „komischen Stempel“, nach denen in Schmuckforen gefragt wird. Eine ungewöhnliche Zahl ist kein Indiz für eine Fälschung. Sie ist meistens einfach eine ungewöhnliche Legierung.
Für Gerät gilt das nicht. Dort schreibt das Gesetz Mindestwerte vor: Gold darf erst ab 585 Tausendsteln mit einer Feingehaltsangabe versehen werden, Silber erst ab 800.
Die zulässige Fehlergrenze bei Schmuck liegt bei zehn Tausendsteln, gemessen am vollständig eingeschmolzenen Stück. Für die Richtigkeit der Angabe haftet der Verkäufer.
Ob eine Legierung als Gelbgold, Rotgold oder Weißgold erscheint, sagt die Zahl übrigens nicht. Das entscheiden die Zuschlagmetalle. Was das für helle Stücke bedeutet, steht im Ratgeber zu Weißgold-Stempeln.
Welche Stempel gibt es bei Gold? Symbole und Zeichen
Neben der Zahl können Symbole auftauchen. Das wichtigste deutsche Symbol wird dabei fast immer falsch verstanden — und diese Verwechslung kostet Leute regelmäßig Zeit.
Sonne, Halbmond und Reichskrone: nur auf Gerät
Seit dem 1. Januar 1888 gilt in Deutschland ein einheitliches System. Es unterscheidet drei Warengruppen: Gerät, Uhrgehäuse und Schmucksachen. Sie werden unterschiedlich behandelt.
Das amtliche Stempelzeichen besteht aus der Reichskrone in Verbindung mit einem alchemistischen Metallsymbol: dem Sonnenzeichen für Gold, der Mondsichel für Silber. Bei Silbergerät steht die Reichskrone rechts neben der Mondsichel. Dazu gehören die Feingehaltsangabe in Tausendsteln und der Firmenstempel des Geschäfts, für das gestempelt wurde.
Dieses Zeichen darf ausschließlich auf Gerät stehen. Gerät sind alle Gegenstände aus Gold oder Silber, die weder Geld noch Schmuck sind: Besteck, Schalen, Becher, Leuchter, Teller, Kirchengerät. Auf Schmucksachen aus Gold und Silber darf das Stempelzeichen ausdrücklich nicht angebracht werden.
Für Sie heißt das zweierlei:
- Wer Sonne oder Halbmond mit Krone an einem Ring sucht, sucht vergeblich. Auf Schmuck steht nur die Feingehaltszahl, gegebenenfalls ergänzt um ein Herstellerzeichen. Das ist kein Mangel und kein Hinweis auf eine Fälschung — es ist die Rechtslage.
- Wer das Zeichen an einem geerbten Stück findet, hat drei Informationen auf einmal. Halbmond mit Krone bedeutet: Silber, Gerät, und aller Wahrscheinlichkeit nach nach 1888 gefertigt. Bei einem Besteckkasten aus dem Nachlass ist das oft der schnellste Einstieg in die Einordnung.
Welche Zeichen auf Silber sonst noch vorkommen — Stadtmarken, Lotzahlen vor 1888, englische Jahresbuchstaben —, führt das Lexikon der Silberpunzen auf.
Für Platin und Palladium gibt es in Deutschland keine gesetzlichen Stempelregelungen. Die verbreitete Punze 950 oder PT950 bei Platinschmuck ist Branchenkonvention, keine gesetzliche Vorgabe.
Die Waage: das internationale Konventionszeichen
Wenn Sie eine kleine stilisierte Waage mit einer Zahl in der Mitte finden, haben Sie das nützlichste Symbol dieses Lexikons vor sich — und eines, das kaum jemand kennt.
Es ist die Common Control Mark, das Prüfzeichen aus dem internationalen Übereinkommen über die Prüfung und Bezeichnung von Edelmetallgegenständen. Die Zahl in der Waagschale nennt den Feingehalt. Anbringen dürfen das Zeichen ausschließlich akkreditierte Prüfstellen.
Der praktische Unterschied zu allem anderen in diesem Abschnitt: Ein Stück mit diesem Zeichen ist geprüft, nicht bloß gestempelt. In allen Unterzeichnerstaaten ist es ohne erneute Kontrolle verkehrsfähig. Zu ihnen gehören unter anderem Österreich, die Schweiz, das Vereinigte Königreich, Irland, die Niederlande, Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden, Polen, Tschechien, die Slowakei, Slowenien, Ungarn, Kroatien, Portugal, Zypern, Lettland, Litauen und Israel.
Bei Ware aus Deutschland, den Niederlanden, Österreich und Skandinavien begegnet Ihnen die Waage häufiger als die klassischen Ländersymbole. Wer sie an einem Erbstück findet, kann sich die Suche nach nationalen Zeichen sparen.
Ländersymbole im Überblick
| Symbol | Land | Bedeutung |
|---|---|---|
| Sonne + Reichskrone | Deutschland | Goldgerät ab 1888, nur auf Gerät |
| Halbmond + Reichskrone | Deutschland | Silbergerät ab 1888, nur auf Gerät |
| Waage mit Zahl | International | Konventionszeichen, Feingehalt in der Mitte |
| Adlerkopf | Frankreich | 750er Gold (18 Karat), seit 1838 |
| Jakobsmuschel | Frankreich | 585er Gold (14 Karat) |
| Kleeblatt | Frankreich | 375er Gold (9 Karat) |
| Minervakopf | Frankreich | Silber |
| Raute mit Initialen | Frankreich | Meisterzeichen des Herstellers |
| Quadratischer Stempel | Frankreich | Vergoldet, nicht massiv |
| Löwe + Stadtmarke + Jahresbuchstabe | Großbritannien | Dreiteilige Punzierung. Anker für Birmingham, Leopardenkopf für London |
| Dianakopf | Österreich-Ungarn | Historisches Beschauzeichen |
| Kokoschnik, Frauenkopf im Profil | Russland | Ab 1908 |
| Zahl + Stern im Oval | Italien | Herstellercode mit Provinzkennung, seit 1968 |
Eine Zeile in dieser Tabelle verdient besondere Aufmerksamkeit: Der französische quadratische Stempel bedeutet „vergoldet“. Er ist eines der wenigen Symbole weltweit, das direkt eine Auflage anzeigt statt eines Feingehalts — und damit das Gegenteil dessen, was die meisten erwarten, wenn sie eine amtlich wirkende Punze sehen. Mehr dazu im Abschnitt über Double und vergoldete Ware.
Buchstaben in Punzen: Hersteller, Meister, Initialen
Buchstaben auf einem Schmuckstück fallen in zwei Kategorien, und der Unterschied entscheidet darüber, ob Sie selbst weiterkommen oder nicht. Die einen sind standardisierte Abkürzungen, die sich direkt übersetzen lassen. Die anderen sind Hersteller- und Meisterzeichen, die ohne Vergleichsmaterial nicht aufzulösen sind.
Standardisierte Abkürzungen: direkt übersetzbar
| Kürzel | Bedeutung |
|---|---|
| GP, gold plated | Vergoldet, galvanisch aufgebracht, sehr dünn |
| GF, gold filled | Dickere Goldschicht, mechanisch aufgebracht |
| RGP, rolled gold plate | Walzgoldplattierung, qualitativ nahe GF |
| GEP, gold electroplated | Galvanisch vergoldet |
| 14KGP, 18KGP, 14KGL | Karatangabe der Auflage, nicht des Stücks |
| EPNS | Versilbertes Neusilber, enthält kein massives Silber |
| PT, PLAT | Platin, meist mit 950 oder 850 |
| STER, SIL | Sterlingsilber |
| ct, Kt, K, C | Karat, historische Schreibweise vor der Umstellung auf Tausendstel |
Die Merkregel für diesen Abschnitt: Ein Buchstabenzusatz an einer Karat- oder Feingehaltsangabe ist fast immer ein Warnsignal. „18K“ allein kann massives Gold sein. „18KGP“ ist eine Auflage — dieselbe Zahl, ein völlig anderer Wert. Wer eine Zahl liest, sollte deshalb immer prüfen, ob unmittelbar daneben Buchstaben stehen.
Ein Sonderfall, den wir bewusst offen lassen: Kürzel wie GG, WG und RG werden gelegentlich als Gelbgold, Weißgold und Rotgold gelesen. Gesichert ist das nicht — dieselben Buchstaben werden fachlich auch anders gedeutet, RG unter anderem als Kennzeichnung importierter Rotgoldware. Wir führen das hier als mögliche, nicht als gesicherte Bedeutung. Was ein solches Kürzel im Einzelfall meint, lässt sich nur am Objekt klären.
Hersteller- und Meisterzeichen: nur am Objekt zu klären

Die zweite Kategorie sind Signets: das Zeichen einer Werkstatt, eines Meisters oder einer Marke. Zwei oder drei Initialen sind der häufigste Fall.
Zwei Dinge sind dazu belegt und praktisch wichtig.
Erstens: Wird bei Gerät ein Feingehalt angegeben, schreibt das Gesetz zusätzlich die Firma oder die eingetragene Schutzmarke des Geschäfts vor, für das gestempelt wurde. Bei Gerät gehört der Firmenstempel also zum amtlichen Zeichen dazu — er ist nicht optional.
Zweitens: In Deutschland ist das Punzieren nicht dem Goldschmiedehandwerk vorbehalten. Es gibt keine staatliche Registrierungspflicht für Herstellerzeichen wie in manchen Nachbarländern. Deshalb lässt sich nicht jede Buchstabenkombination einer dokumentierten Werkstatt zuordnen — und dieselben Initialen wurden historisch von verschiedenen Betrieben geführt.
Was daraus folgt: Ein Buchstabenkürzel allein trägt keine sichere Aussage. Erst die Kombination aus Initialen, Feingehalt, Machart und gegebenenfalls Ländermarke erlaubt eine Zuordnung. Genau das ist Sachverständigenarbeit am Objekt — und genau dort entsteht bei Sammlerstücken der Wert über dem Materialpreis.
Zu den Listen, die im Netz kursieren und bestimmten Buchstabenpaaren bestimmte Marken zuordnen, eine offene Anmerkung: Wir übernehmen sie nicht. Die meisten sind unbelegt, und eine falsche Markenzuordnung ist beim Verkauf teurer als gar keine. Wenn Ihr Stück Initialen trägt, ist das ein Grund, es ansehen zu lassen — kein Grund, eine Tabelle zu befragen.
Alte Goldstempel: Ware vor 1888
Der 1. Januar 1888 ist die Zäsur. Ab diesem Datum gilt in Deutschland ein reichseinheitliches System mit Feingehaltsangabe in Tausendsteln.
Alles, was davor entstand, folgt anderen Regeln. Vor der Vereinheitlichung stempelten die Länder und Städte nach eigenen Gepflogenheiten — mit Stadtmarken, Beschauzeichen und Meisterzeichen statt einer reichseinheitlichen Zahl. Wer auf einem alten Stück ein Wappen, eine Stadtsilhouette oder ein figürliches Zeichen findet, hat es mit dieser älteren Systematik zu tun.
Solche Zeichen sind häufig figürlich: ein Wappen, eine Stadtsilhouette, ein Tier. Für Berlin etwa steht der Bär. Die Zuordnung ist Sammlerwissen und lässt sich nicht am Foto klären — sie braucht Nachschlagewerke und Vergleichsmaterial. Und sie lohnt sich, weil hier der eigentliche Auktionswert liegen kann. Ein Stück, das über seine Stadtmarke einer Werkstatt und einer Zeit zugeordnet werden kann, ist etwas anderes als ein Stück mit derselben Menge Gold darin.
Zahlen, die in keiner Standardtabelle stehen
Wenn Sie einen Feingehalt lesen, den Sie oben nicht finden, ist Ihr Stück meistens älter oder stammt aus dem Ausland. Diese Werte tauchen am häufigsten auf:
| Stempel | Karat | Vorkommen |
|---|---|---|
| 958 | 23 K | Sehr selten, früher gelegentlich Eheringe |
| 916 | 22 K | Südostasien, Indien, Naher Osten |
| 875 | 21 K | Arabischer Raum. In Deutschland fast nur in Erbstücken |
| 833 | 20 K | Früher gelegentlich Trauringe, heute praktisch verschwunden |
| 583 | knapp 14 K | Russisches und sowjetisches Gold, altes Zolotnik-System |
Diese fünf Zahlen erklären einen Großteil der Fälle, die in Schmuckforen als „komischer Stempel“ auftauchen. Keine davon deutet auf eine Fälschung hin. Im Gegenteil: 916 und 875 liegen deutlich über dem deutschen Standard von 585.
Ausländische Goldstempel
Andere Länder, andere Systeme. Die Zahl auf einem Stück sagt nichts über seine Herkunft — das ist der hartnäckigste Irrtum in diesem Themenfeld und stand in älteren Fassungen dieses Artikels selbst falsch drin.
585 ist keine deutsche Marke. 750 ist keine italienische. Beides sind reine Feingehaltsangaben, die weltweit verwendet werden. Wo ein Stück herkommt, verraten allein Landes-, Stadt- oder Prüfstellenpunzen — separate Zeichen, die zusätzlich zur Zahl eingeschlagen werden.
Rechtlich relevant ist eine Regel für eingeführte Ware: Gold- und Silberwaren aus dem Ausland, deren Feingehalt nicht nach deutschem Muster angegeben ist, dürfen hier nur gehandelt werden, wenn sie zusätzlich einen Stempel nach den deutschen Vorgaben tragen. Ein Stück mit einer fremden Kennzeichnung ist also nicht illegal — es braucht nur eine übersetzte Angabe.
Praktisch heißt das: Wenn Sie eine Punze sehen, die Sie nirgends einordnen können, ist ausländische Herkunft eine der wahrscheinlichsten Erklärungen. Karat-Schreibweisen wie „18ct“ oder „14K“ deuten auf angelsächsischen Raum, arabische Zeichen und Ziffern auf den Nahen Osten.
Länderübersicht
| Land | Kennzeichnung | Punzierungspflicht |
|---|---|---|
| Deutschland | Feingehalt in Tausendsteln | Nein, freiwillig |
| Frankreich | Symbolpunzen plus Meisterzeichen in Raute | Ja, ab 3 Gramm |
| Großbritannien, Irland | Dreiteilige Punzierung mit Jahresbuchstabe | Ja |
| Italien | Feingehaltszahl plus Herstellercode mit Provinzkennung | Ja |
| Schweiz | Feingehaltszahl, historisch Kopfpunzen. Bei Golduhren im Gehäuseboden. | — |
| Russland, UdSSR | 583 nach altem System, ab 1958 auf 585 umgestellt | — |
| Australien, Neuseeland | Keine Punzierungspflicht | Nein |

Naher Osten und Südasien
Diesen Stücken widmen wir einen eigenen Abschnitt, weil sie in Stuttgart regelmäßig auf dem Tisch liegen — und weil ihre Zahlen in keiner deutschen Standardtabelle stehen.
In der Türkei, in Ägypten und in den Golfstaaten ist Schmuck mit 20 bis 22 Karat üblich, also 833 bis 916. Besonders verbreitet ist 875, also 21 Karat — eine Legierung, die in Deutschland praktisch nicht hergestellt wird. Auch die Schreibweise weicht ab: Statt einer reinen Zahl findet sich häufig eine Kombination wie „21K 0,875″, bei Uhren auch „21 C 875″.
In Indien und Südostasien liegt der Anspruch noch höher. Dort gelten oft erst Legierungen ab etwa 96,5 Prozent als vollwertiges Gold, weshalb europäische 585er Ware dort als geringwertig gilt.
Was das für Sie bedeutet: Ein hoher Feingehalt heißt mehr Materialwert pro Gramm — aber auch ein weicheres Stück, das schneller Gebrauchsspuren zeigt. Wer solchen Schmuck geerbt hat, hält in der Regel mehr Gold in der Hand, als eine deutsche Standardtabelle vermuten lässt. Das ist einer der wenigen Fälle, in denen die Überraschung bei der Bewertung nach oben ausfällt.
Punze bestimmen: so gehen Sie vor
Vier Schritte, in dieser Reihenfolge.

1. Suchen Sie an der richtigen Stelle. Ringe: Innenseite der Schiene. Ketten und Armbänder: Verschluss oder letztes Glied. Ohrstecker: Bügel oder Rückplatte. Anhänger: Rückseite, oft nahe der Öse. Uhren: Gehäuserückseite, bei Taschenuhren die Innenseite des Deckels.
2. Nehmen Sie eine Lupe. Zehnfache Vergrößerung reicht in fast allen Fällen. Gutes, seitlich einfallendes Licht hilft mehr als starke Vergrößerung — Punzen sind Vertiefungen, sie werden durch Schatten lesbar.
3. Lesen Sie in der Reihenfolge Zahl, Symbol, Buchstabe. Die Zahl gibt Ihnen das Metall und den Feingehalt, also die Grundlage. Symbole ordnen die Warengruppe ein. Buchstaben führen zum Hersteller — und sind der Teil, der am schwersten aufzulösen ist.
4. Bei Unleserlichkeit: nicht putzen. Der häufigste Fehler ist, mit Politur oder Schleifpaste nachzuhelfen. Damit tragen Sie Material ab und machen den Stempel endgültig unlesbar. Eine abgeriebene Punze ist ein Fall für die Prüfung am Objekt, nicht für die Reinigung.
Kein Stempel vorhanden: was das bedeutet
Wenig — jedenfalls nichts Schlechtes. Die Punzierung ist in Deutschland freiwillig. Ein Stück ohne Stempel kann massives Gold sein, und ein Stück mit Stempel muss es nicht sein.
Die typischen Gründe für eine fehlende Punze:
- Sehr alte Ware, entstanden vor 1888.
- Umarbeitungen. Beim Weiten eines Rings oder Kürzen einer Kette verschwindet die gestempelte Stelle mit.
- Abrieb. Ein Ring, der jahrzehntelang getragen wurde, hat innen keine Kanten mehr.
- Sehr kleine oder sehr filigrane Teile, bei denen ein Hammerschlag das Stück beschädigt hätte.
Umgekehrt gilt: Eine Punze ist eine Behauptung mit Rechtsfolge, keine amtliche Prüfung. Sie kann gefälscht sein — vergoldetes Messing mit falsch eingeschlagener 585 ist eine bekannte Betrugsmasche, besonders bei Straßen- und Flohmarktverkäufen. Wer wissentlich falsch punziert oder falsch punzierte Ware anbietet, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit Geldbuße geahndet werden kann.
Sicher ist deshalb nur die Prüfung am Objekt. Ist die Punze nicht mehr lesbar oder bestehen Zweifel an der Echtheit, prüfen wir mit Goldprüfsäure. Das Ergebnis ist eindeutig, und Sie erfahren es sofort.
Gold Double, vergoldet, plated: wenn nur die Oberfläche zählt
Dieser Abschnitt enttäuscht regelmäßig, deshalb kommt er ohne Umschweife.
Bestimmte Angaben bezeichnen keine Legierung, sondern eine Auflage — eine dünne Schicht Edelmetall auf einem anderen Metall darunter:
| Angabe | Bedeutung |
|---|---|
| Double, D, AM Double | Vergoldet, meist auf unedlem Grundmetall |
| plated, gold plated, GP | Galvanisch aufgebrachte Gold- oder Silberschicht |
| vergoldet, versilbert | Auflage, kein massives Material |
| 90, 100 | Gewichtsversilberung auf Besteck, kein Silbergehalt |
| Alpacca, Neusilber | Kupfer-Nickel-Zink-Legierung, enthält kein Silber |
Der materielle Wert solcher Stücke liegt weit unter dem eines massiven Teils gleicher Größe, weil die Auflage nur Bruchteile eines Millimeters dick ist.
Dazu kommt ein Symbol, das dasselbe aussagt, ohne ein Wort zu verwenden: Der französische quadratische Stempel bedeutet „vergoldet, nicht massiv“. Wer ihn für ein Gütezeichen hält, weil er amtlich aussieht, liegt genau falsch herum. Und wer Buchstaben neben einer Karatzahl findet — 14KGP statt 14K —, hat denselben Fall vor sich; die Übersetzung steht im Abschnitt über Buchstaben in Punzen.
Rechtlich ist die Sache klar geregelt: Waren, die mit anderen metallischen Stoffen ausgefüllt sind, dürfen keine Feingehaltsangabe tragen. Dasselbe gilt für Kombinationen, bei denen verschiedene Metalle fest verbunden sind — ein Ring, innen Gold, außen Platin, darf nicht mit einer Feingehaltszahl gestempelt werden, weil sich beim Einschmelzen kein einheitlicher Wert ergäbe.
Zwei Einschränkungen, bevor Sie ein solches Stück wegräumen. Erstens: Bei versilbertem Besteck ist der Zahlenstempel ausdrücklich erlaubt und kein Verstoß — er gibt die Auflagenmenge an, nicht den Feingehalt. Zweitens: Vergoldete Ware kann trotzdem Sammlerwert haben. Bei Uhren, Designstücken und älterer Ware entscheidet oft die Machart, nicht das Material.
Bei Uhrengehäusen begegnen Ihnen dieselben Angaben in anderer Form, etwa als „Walzgold Double 20 Mikron“. Was auf alten Uhren steht und was es bedeutet, steht im Lexikon der Uhren-Markierungen.
Welche Punzen sind wertvoll?
Die Feingehaltszahl bestimmt den Materialwert. Sie ist Rechengröße: Gewicht mal Feingehalt mal Tageskurs, abzüglich Steine. Das ist der Boden, unter den ein Stück nicht fällt.
Was Ihr Stück nach Gewicht und Feingehalt am jeweiligen Tag tatsächlich bringt, rechnen wir beim Goldankauf in Stuttgart vor der Entscheidung mit Ihnen durch.
Die Meister- oder Herstellerpunze ist etwas anderes. Sie kann über den Materialwert hinausgehen — deutlich. Stammt ein Stück aus einer bekannten Manufaktur, ist es datierbar, trägt es die Handschrift einer dokumentierten Werkstatt, dann interessiert sich ein Sammler dafür, und Sammler zahlen nicht für Gramm, sondern für Seltenheit.
Daraus folgt eine Konsequenz, die man kennen sollte, bevor man entscheidet: Wer ein Stück zum reinen Materialwert verkauft, verzichtet auf diesen Aufschlag. Und beim Einschmelzen ist er endgültig weg — nicht verschoben, nicht später noch zu heben, sondern vernichtet. Aus einem signierten Stück wird ein Klumpen Gold, und der Klumpen bringt, was Gold eben bringt.
Deshalb lohnt es sich, ein Stück mit Buchstaben, Symbolen oder ungewöhnlicher Machart ansehen zu lassen, bevor es in den Ankauf geht. Nicht weil jede Initiale einen Aufschlag bedeutet — die meisten tun es nicht. Sondern weil sich der Unterschied nur in eine Richtung feststellen lässt.
Lexikon-Übersicht: alle Stempel auf einen Blick
Zahlen
Die Karatangabe steht jeweils als internationale Entsprechung dabei — in Deutschland ist sie als Feingehaltsstempel nicht zulässig.
| Stempel | Metall | Feingehalt | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| 999 | Gold | 99,9 % | Feingold, Barren und Anlagemünzen. International 24K |
| 958 | Gold | 95,8 % | Sehr selten, früher gelegentlich Eheringe. International 23K |
| 916 | Gold | 91,6 % | Südostasien, Indien, Naher Osten. International 22K |
| 900 | Gold | 90,0 % | Historische Münzen, bei Schmuck praktisch nie |
| 875 | Gold | 87,5 % | Arabischer Raum. International 21K |
| 833 | Gold | 83,3 % | Ältere Trauringe. International 20K |
| 750 | Gold | 75,0 % | Hochwertiger Schmuck. International 18K |
| 585 | Gold | 58,5 % | Deutscher Schmuckstandard. International 14K |
| 583 | Gold | 58,3 % | Russland und UdSSR vor 1958 |
| 375 | Gold | 37,5 % | Einstiegssegment. International 9K |
| 333 | Gold | 33,3 % | Ältere deutsche Ware. International 8K |
| 935 | Silber | 93,5 % | Höherwertige Silberware |
| 925 | Silber | 92,5 % | Sterlingsilber, internationaler Standard |
| 900 | Silber | 90,0 % | Auch bei Münzsilber |
| 835 | Silber | 83,5 % | Häufig bei Besteck und Gebrauchssilber |
| 830 | Silber | 83,0 % | Ältere deutsche Ware |
| 825 | Silber | 82,5 % | Vor allem erste Hälfte 20. Jahrhundert |
| 800 | Silber | 80,0 % | Mindestfeingehalt für Silbergerät |
| 950, PT950 | Platin | 95,0 % | Häufigste Platin-Schmucklegierung |
Symbole und Kürzel
| Zeichen | Bedeutung |
|---|---|
| Waage mit Zahl | Internationales Konventionszeichen, geprüfte Ware |
| Sonne + Reichskrone | Deutsches Goldgerät ab 1888, nie auf Schmuck |
| Halbmond + Reichskrone | Deutsches Silbergerät ab 1888, nie auf Schmuck |
| Adlerkopf | Frankreich, 750er Gold |
| Jakobsmuschel | Frankreich, 585er Gold |
| Kleeblatt | Frankreich, 375er Gold |
| Minervakopf | Frankreich, Silber |
| Quadratischer Stempel | Frankreich, vergoldet statt massiv |
| Löwe + Stadtmarke + Jahresbuchstabe | Großbritannien |
| Kokoschnik | Russland ab 1908 |
| Zahl + Stern im Oval | Italien ab 1968 |
| Double, plated, GP, GEP | Auflage, kein massives Edelmetall |
| GF, RGP | Dickere Goldauflage, trotzdem keine Legierung |
| 14KGP, 18KGP | Karatzahl der Auflage |
| EPNS, Alpacca, Neusilber | Enthält kein massives Silber |
| 90, 100 | Gewichtsversilberung auf Besteck |
Merksatz für den schnellen Griff: 333 bis 999 ist Gold. 800 bis 935 ist Silber. 950 ist fast immer Platin. Eine Waage bedeutet geprüft. Alles mit Buchstaben neben der Zahl ist eine Auflage.
Häufige Fragen zu Goldpunzen
Ist eine Goldpunze in Deutschland Pflicht?
Nein. Das Gesetz erlaubt die Feingehaltsangabe, es schreibt sie nicht vor. Wer stempelt, muss sich an die Vorgaben halten — in Tausendsteln, wahrheitsgemäß, bei Gerät zusätzlich mit Firmenstempel. Aber niemand ist verpflichtet, überhaupt zu stempeln. Ein ungestempeltes Schmuckstück kann deshalb massives Gold sein.
Was bedeutet die Punze 585?
585 bedeutet, dass 585 von 1.000 Gewichtsteilen der Legierung reines Gold sind, also 58,5 Prozent. Das entspricht 14 Karat. Über die Herkunft des Stücks sagt die Zahl nichts — 585 wird international verwendet und ist keine deutsche Kennzeichnung.
Gibt es 835 Gold?
Nein. 835 ist ein Silberfeingehalt und bedeutet 83,5 Prozent Feinsilber. Die Zahl taucht häufig bei Besteck und Gebrauchssilber aus der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts auf. Verwechslungen entstehen, weil rhodiniertes Silber und Weißgold sich optisch stark ähneln.
Was bedeutet ein Stempel mit Krone auf Besteck?
Die Reichskrone in Verbindung mit einer Mondsichel ist das amtliche deutsche Zeichen für Silbergerät und gilt seit 1888. Es besagt: Das Stück ist Silber, es zählt rechtlich als Gerät und nicht als Schmuck, und es hat mindestens 800 Tausendteile Feinsilber. Bei Goldgerät steht statt der Mondsichel ein Sonnenzeichen.
Was bedeutet die Punze 875?
875 bedeutet 87,5 Prozent Gold, international 21 Karat. Diese Legierung wird in Deutschland praktisch nicht hergestellt, ist aber im arabischen Raum, in der Türkei und in Ägypten weit verbreitet. Wer sie an einem Erbstück liest, hält deutlich mehr Gold in der Hand als bei deutscher 585er Ware. Häufig steht die Zahl in einer abweichenden Schreibweise da, etwa als „21K 0,875″.
Was bedeutet eine Waage als Punze?
Die stilisierte Waage mit einer Zahl in der Mitte ist ein internationales Konventionszeichen. Die Zahl nennt den Feingehalt, und anbringen dürfen das Zeichen nur akkreditierte Prüfstellen. Es besagt also mehr als eine gewöhnliche Punze: Das Stück wurde geprüft, nicht nur gestempelt. In den Unterzeichnerstaaten ist solche Ware ohne erneute Kontrolle handelbar.
Kann eine Goldpunze gefälscht sein?
Ja. Vergoldetes Messing mit eingeschlagener 585 oder 750 ist eine bekannte Betrugsmasche, vor allem bei Verkäufen auf der Straße, an Raststätten und auf Flohmärkten. Wer falsch punziert oder falsch punzierte Ware anbietet, handelt ordnungswidrig. Für Käufer heißt das: Die Zahl ersetzt keine Prüfung. Bei Zweifeln klärt eine Säureprobe die Sache in Minuten.
Was heißt „Double“ auf einem Schmuckstück?
Double bezeichnet eine Vergoldung, keine Goldlegierung. Unter der Schicht sitzt ein anderes Metall. Der Materialwert liegt entsprechend weit unter dem eines massiven Stücks gleicher Größe. Ein Sammlerwert kann trotzdem bestehen, wenn Machart oder Marke dafür sprechen.
Wenn Sie wissen wollen, was Ihr Stück wert ist
Sie haben die Punze gelesen. Damit kennen Sie das Metall — die Bewertung ist der nächste Schritt: Feingehalt prüfen, Gewicht ohne Steine bestimmen, Machart und Herstellerzeichen einordnen.
Bei uns stehen Ihnen danach zwei Wege offen. Beim Direktankauf bekommen Sie sofort Geld, in der Regel zum Materialwert. Bei Stücken mit erkennbarer Manufaktur oder Sammlerinteresse kann die Versteigerung mehr bringen als das Material — welcher Weg in Ihrem Fall der bessere ist, sagen wir Ihnen vor der Entscheidung.
Größere Sammlungen und Nachlässe sehen wir auf Wunsch vor Ort in Stuttgart an. Einzelne Stücke bringen Sie am einfachsten zu uns in die Seyfferstraße 103 in Stuttgart-West; ein Termin ist nicht zwingend, sorgt aber dafür, dass wir uns Zeit nehmen können.
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