Beltracchi und wie sie alle heißen… Kunstfälschungen im Laufe der Jahrhunderte

Die ersten urkundlich dokumentierten Fälle von Kunstfälschungen reichen bereits bis zum Beginn unserer Zeitrechnung vor über 2.000 Jahren zurück. Schon römische Bildhauer kopierten ohne jegliches Schuldbewusstsein offen und vielfach griechische Skulpturen für rein kommerzielle Zwecke. Da deren Käufer sich darüber völlig klar waren und es in der antiken Kunst vor allem um historische Verweise und religiöse Inspiration oder auch nur exklusiv um ästhetisches Vergnügen ging, wurde der potenziellen Einzigartigkeit und Genialität eines bestimmten Künstlers keine bzw. lediglich wenig Bedeutung beigemessen. Auch in der für Kreativität viel gerühmten Renaissance im 15. und 16. Jahrhundert war es üblich, dass berühmte Maler Lehrlinge beschäftigten, die das Handwerk beim exakten Kopieren von bereits bekannten Gemälden ihrer Meister erlernten. Diese wiederum boten die Replika zum Verkauf an und strichen die Erlöse als Vergütung für die Vermittlung ihres Wissens ein. Diese Praxis galt damals nicht als Kunstfälschung, sondern vielmehr als wohlmeinender Tribut an die Meister.

Erst das Aufkommen eines Besitzbürgertums machte Kunstfälschungen lukrativ

Die allmähliche Entstehung eines wohlhabenden Bürgertums im 17. und 18. Jahrhundert beflügelte auch eine starke Nachfrage nach Kunst und Kunsthandwerk aller Art. Speziell das erwachende Interesse an antiken Kulturgütern sorgte für große Preis- und damit auch Wertsteigerungen. Etwa zur gleichen Zeit erfasste diese Entwicklung auch das Schaffen von zeitgenössischen oder erst kürzlich verstorbenen Künstlern, deren Werke jetzt immer mehr zu einer besonderen und personifizierten Ware wurden. Um ihre Bilder unverkennbar zu machen, begannen Maler, diese zu markieren und signieren, wobei diese vermeintlich so unverwechselbaren „Unterschriften“ häufig gefälscht wurden. Schon Albrecht Dürer war sich dessen wohl bewusst, als er eine seiner zahlreichen Zeichnungen der Jungfrau Maria mit dem launigen Zusatz versah, dass „Imitatoren, die vom Talent und der Kunst anderer leben, verflucht sein mögen“. Nichtsdestotrotz waren Verschleierungen des wahren Alters oder Fälschungen von Kunstwerken sogar bei Koryphäen wie Michelangelo verbreitet, der seine 1496 geschaffene Skulptur eines schlafenden Engels mit Säure behandelte, um sie älter bzw. antik wirken zu lassen.

Die aktuelle Empörung über kriminelle Kunstfälschungen gab es früher so nicht

Die eigentliche Blütephase kommerzieller Kunstfälschungen nach heutigem Verständnis begann jedoch erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts, als im Laufe der Industrialisierung mit neuer Druck- und Fototechnik immer mehr und bessere Möglichkeiten für täuschend echte Fälschungen von Gemälden zur Verfügung standen. So wurden zum Beispiel häufig fotografisch hergestellte Reproduktionen und ab 1900 auch Diapositivfilme auf Leinwände und andere Untergründe doubliert oder projiziert und anschließend mit Farbe überarbeitet. Doch auch in dieser Epoche wurden Kunstfälschungen nicht immer, überall und von allen als solche klassifiziert oder gar moralisch verurteilt, vielmehr galten gut gemachte und echt erscheinende Täuschungen als vertretbar und zulässig. Den damaligen Zeitgeist bezüglich dieser weitverbreiteten Akzeptanz spiegelt etwa die 1839 erschienene Kurzgeschichte von Honoré de Balzac (1799-1850) über den fiktiven Kunstfälscher „Pierre Grassou“ wider, der trotz seiner Enttarnung durch den reichen Sammler „Monsieur Vervelle“ bei diesem großes Ansehen und Hochachtung genießt. Bei Weitem nicht nur Gemälde wurden schon damals professionell gefälscht, auch äußerst erfolgreiche Bildhauer wie Giovanni Bastianini (1830-1868) verkauften ihre perfekten Kopien alter italienischer Meister trotz besseren Wissens der Öffentlichkeit an namhafte Institutionen wie das Victoria and Albert Museum in London.

Der Königshelm kam nicht aus Asien und die Bronzefiguren nicht aus Mecklenburg

Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde zahlreiche Kunstfälschungen auch noch deutlich stärker als heute in Hinsicht auf gelungenes Handwerkskönnen und Detailtreue im Vergleich zum jeweiligen Original beurteilt. Dies galt etwa für die angeblich 2.000 Jahre alte goldene Kopfbedeckung des Skythenkönigs Saitaphernes, die jedoch tatsächlich vom Juwelier Israel Ruchomowskij (1864-1934) im Jahr 1895 in Odessa hergestellt und ein Jahr später vom Louvre in Paris für die stolze Summe von 200.000 Goldfranken erworben worden war. Nachdem die sog. „Saitaphernes-Tiara“ aufgrund der Mithilfe des deutschen Archäologen Adolf Furtwängler (1853-1907) kurz darauf als Fälschung erkannt wurde und ihr Schöpfer nach in die französische Hauptstadt übersiedelte, erwartete ihn dort nicht etwa eine Geldstrafe oder Verurteilung, sondern die Auszeichnung mit einer Goldmedaille des „Salon des arts décoratifs de Paris“ für seine Arbeit. In Deutschland sorgten hingegen die 1909 vom Berliner Kaiser-Friedrich-Museum als angebliches Werk Leonardo da Vincis angekaufte, durch chemische Analysen 1986 jedoch als Fälschung entlarvte „Wachsbüste der Flora“ und die vermeintlich frühmittelalterlichen Bronzeskulpturen der „Prillwitzer Idole“ als „Jahrhundertfälschungen“ zwar lange für Kontroversen in der Fachwelt, aber nicht allzu viel Interesse in der Öffentlichkeit.

Kunstfälscher wurden 20. und 21. Jahrhunderts oftmals zum Teil der Populärkultur

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, in dessen Verlauf die Nazis bei ihren zielgerichteten Raubzügen durch ganz Europa zahlreiche renommierte Kunstwerke erbeuteten, wurden Kunstfälschungen international zunehmend immer stärker unter strafrechtlichen Aspekten wahrgenommen und als kriminell verurteilt. Nach wie vor genossen bzw. genießen jedoch berühmte und erfolgreiche Kunstfälscher im Gegensatz zu „gewöhnlichen“ Kriminellen oft durchaus einigen Respekt in einschlägigen Kunstkreisen und werden mitunter sogar als verkannte „Genies“ verehrt, die sich lediglich den überhitzten und unkritischen Kunstmarkt zunutze gemacht haben. Als populäre Vertreter ihrer Art gelten heute vor allem diejenigen Fälscher, die es nach ihrer Überführung geschafft haben, weiterhin Werke unter eigenem Namen und ihre teils dramatischen Lebensgeschichten gewinnbringend zu verkaufen. Als bekannte Namen in diesem Bereich häufig genannt werden Han van Meegeren, Elmyr de Hory, Lothar Malskat, Christian Goller, Konrad Kujau, Wolfgang Lämmle, Edgar Mrugalla, sowie Shaun Greenhalgh und Tony Tetro. Im 21. Jahrhundert haben sehr geschickt und planvoll agierende Fälscher wie Marino Massimo De Caro und Tom Sack für Schlagzeilen gesorgt. Hierzulande wurde 2010 über den Dresdner Prozess zu den recht dilettantischen Fälschungen der „Original Kujau-Fälschungen“ gestaunt. Über die genaue Anzahl aktuell und ehemals international tätiger Kunstfälscher herrschen natürlich nur Mutmaßungen, sei es Beltracchi und wie sie alle heißen…

Kunst und Kunstfälschungen werden jeweils von Angebot und Nachfrage bestimmt

Abschließend und zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass es Kunstfälscher und Kunstfälschungen ohne die riesige und stetig weiter wachsende Nachfrage eines oft unersättlichen und gierigen Kunstmarktes in dieser Form vermutlich nicht geben würde. Wie viele Fälle in der Vergangenheit gezeigt haben, sind an dem ertragreichen Geschäft nicht selten auch Kunsthändler und Kunstsammler als Auftraggeber maßgeblich beteiligt. Die Gewinnspannen mögen für manche Zeitgenossen einfach zu verführerisch seien, um zu widerstehen. Obwohl heute mit den Methoden der Archäometrie zu Alter und Herkunft fragwürdige Kunstwerke leicht, schnell und zuverlässig als Fälschungen erkannt werden können, ist in den letzten Jahren eine Welle von Kunstfälschungen insbesondere aus den Ländern China und Russland zu beobachten.

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