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Kunstwissen

Stillleben: Was sie zeigen, was sie bedeuten und was sie heute wert sind

Inhaltsverzeichnis

Vanitasstillleben mit Schädel und Kerze von Harmen Steenwijck — Symbol der Vergänglichkeit
Vanitasstillleben mit Schädel und Kerze von Harmen Steenwijck — Symbol der Vergänglichkeit. Public domain, via Wikimedia Commons

 

Ein Stillleben zeigt scheinbar wenig. Eine Schale mit Pfirsichen. Eine angeschnittene Zitrone neben einem geschliffenen Glas. Einen Totenkopf neben einer Kerze, die noch raucht. Und doch hat ein einziges Stillleben — Paul Cézannes Rideau, Cruchon et Compotier (um 1893/94) — am 10. Mai 1999 bei Sotheby’s New York 60,5 Millionen US-Dollar erzielt und hält damit bis heute den Auktionsrekord für den Künstler. Zwanzig Jahre später folgte Cézannes Bouilloire et Fruits (1888–1890) bei Christie’s für 59,3 Millionen US-Dollar.

Was eine Gattung, die im Französischen nature morte heißt — wörtlich »tote Natur« —, so lebendig und so begehrt macht, ist nicht der Apfel auf dem Tisch. Es ist alles, was hinter ihm steht: ein halbes Jahrtausend Kunstgeschichte, eine codierte Sprache aus Symbolen — und ein Markt, der die besten Werke der Gattung seit dem späten 19. Jahrhundert konstant unter den am höchsten gehandelten Bildern führt.

Was ist ein Stillleben? Definition und Begriffsherkunft

Ein Stillleben ist die kunstvolle Darstellung unbelebter, ruhender Gegenstände — typischerweise Blumen, Früchte, Geschirr, Bücher, Musikinstrumente, erlegtes Wild oder Gerät jeder Art —, die nach formal-ästhetischen und oft symbolischen Gesichtspunkten arrangiert sind. Komposition, Lichtführung und Farbe tragen das Bild, nicht eine Handlung oder eine Person.

Der Begriff selbst wandert durch die europäischen Sprachen. Niederländisch stilleven (von stil = unbewegt und leven = Dasein) taucht erstmals um 1650 in einem holländischen Inventar auf. Im Französischen heißt die Gattung nature morte, im Italienischen natura morta, im Spanischen bodegón, im Englischen still life. Joachim von Sandrart prägte 1675 in seiner Teutschen Academie den deutschen Ausdruck »stillstehende Sachen«; das Wort Stillleben in Anlehnung an die niederländische Form etabliert sich erst Mitte des 18. Jahrhunderts.

Eine Randnotiz, die für die Recherche nach geerbten Werken oder alten Inventareinträgen relevant ist: Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war die Schreibung mit zwei l (»Stilleben«) gebräuchlich und koexistierte über Jahrzehnte mit der Variante »Stillleben«. Erst die Rechtschreibreform von 1996 (mit den Anpassungen von 2006) machte die Schreibung mit drei l verbindlich. Wer in alten Sammlungskatalogen, Familieninventaren oder älterer Fachliteratur sucht, sollte beide Schreibungen prüfen — viele Werkverzeichnisse niederländischer Meister sind unter der historischen Form abgelegt.

Eine kurze Geschichte des Stilllebens — von Pompeji bis Cézanne

Antike und Mittelalter

Stilllebenartige Darstellungen sind so alt wie die Malerei selbst. In den Wandmalereien und Mosaiken römischer Villen — erhalten in Pompeji und Herculaneum — finden sich detailliert wiedergegebene Früchtekörbe, gefüllte Trinkgefäße und gedeckte Tische, die den Wohlstand des Hauses repräsentierten. Plinius der Ältere überlieferte den berühmten Künstlerwettstreit zwischen Zeuxis und Parrhasios: Zeuxis malte Trauben so täuschend echt, dass die Vögel danach pickten — Parrhasios konterte mit einem Vorhang, der ebenfalls nur gemalt war.

Im europäischen Mittelalter spielt das Stillleben kaum eine Rolle. Das diesseitige Leben galt als bloße Durchgangsstation, irdische Gegenstände wirkten der religiösen Bildaussage entgegen. Wo Stillleben-Elemente auftauchen — Bücher in Heiligenporträts, Lilien in Marienbildern —, dienen sie als symbolische Attribute, nicht als eigenständiges Bildthema.

Die Geburt einer Gattung im 17. Jahrhundert

Als ältestes signiertes und datiertes selbstständiges Stillleben gilt das Stillleben mit Rebhuhn, Eisenhandschuhen und Armbrustbolzen des venezianischen Malers Jacopo de‘ Barbari, datiert 1504. Es war vermutlich in die Wandverkleidung eines Jagdschlosses integriert — eine täuschend echte Wiedergabe (Trompe-l’œil) mit funktionalem Bezug.

Zur eigenständigen Gattung emanzipiert sich das Stillleben um 1600, fast gleichzeitig in den nördlichen Niederlanden, in Italien, Spanien und im deutschsprachigen Raum. Das Zusammentreffen mehrerer Entwicklungen schafft die Voraussetzung: das technische Können der Maler, ein gebildetes Publikum, das symbolische Anspielungen lesen kann, und ein neuer Käuferkreis. Mit der Urbanisierung der niederländischen Städte, dem wirtschaftlichen Aufstieg des Bürgertums und — in den nördlichen Provinzen — dem reformierten Bilderverbot in den Kirchen entsteht ein säkularer Privatmarkt, der spezialisierte Genres wie Landschaft und Stillleben überhaupt erst trägt. Die schrittweise Lockerung der Zunftbindungen gehört zu diesem Wandel, ist aber nur einer von mehreren Faktoren.

Im niederländischen Goldenen Zeitalter erlebt die Gattung ihre Blütezeit. In Antwerpen und Haarlem perfektionieren Clara Peeters, Pieter Claesz und Willem Claesz Heda das Mahlzeitstillleben mit silbernen Pokalen, halb geleerten Weingläsern und kunstvoll geschälten Zitronen. In Amsterdam glänzt Willem Kalf mit seinen sogenannten Prunkstillleben, deren Objekte er gleichsam aus dem Dunkel des Hintergrunds »auffunkeln« lässt — eine Wirkung, die in der älteren Kunstliteratur bisweilen bildhaft als »Katzenaugeneffekt« beschrieben wurde. Jan Brueghel der Ältere, Daniel Seghers, Jan Davidsz. de Heem und später Rachel Ruysch und Jan van Huysum prägen das Blumenstillleben. In Spanien arbeiten Juan Sánchez Cotán und Juan van der Hamen y Leon in einem strenger komponierten Stil, den man dort bodegón nennt. In Italien wirkt Caravaggio mit seinem Früchtekorb (um 1595, Pinacoteca Ambrosiana, Mailand) wegweisend.

Caravaggio Früchtekorb 1595 — frühes berühmtes Stillleben der italienischen Malerei
Caravaggio Früchtekorb 1595 — frühes berühmtes Stillleben der italienischen Malerei. Public domain, via Wikimedia Commons

 

Vom Barock zur Moderne

Im 18. Jahrhundert verliert das Stillleben kurzfristig an Prestige, bevor Jean-Baptiste-Siméon Chardin in Frankreich der Gattung neue Tiefe gibt. Statt höfischen Prunks malt er bürgerliches Gerät — eine Brioche, ein Glas Wasser, eine Pfeife — mit einer malerischen Ernsthaftigkeit, die später die Impressionisten als vorbildlich empfinden werden.

Im 19. Jahrhundert kehrt das Stillleben kraftvoll zurück. Édouard Manet, Henri Fantin-Latour, Pierre-Auguste Renoir und Vincent van Gogh wenden sich der Gattung zu — bei Van Gogh wird sie zum Versuchsfeld emotionaler Farbintensität. Paul Cézanne, der spätere »Vater der modernen Kunst«, verwandelt das Stillleben in eine Studie von Form, Volumen und Perspektive — und schlägt damit die Brücke zum Kubismus von Picasso, Braque und Juan Gris im frühen 20. Jahrhundert. Im 20. Jahrhundert öffnet Giorgio Morandi mit seinen reduzierten Flaschen-Kompositionen einen meditativen, fast minimalistischen Zugang. Andy Warhol verwandelt mit den Campbell’s Soup Cans (1962) das Stillleben in eine Reflexion über Konsumkultur und Massenproduktion.

Paul Cézanne Stillleben Bouilloire et Fruits 1888 — Auktionsrekord 59,3 Millionen US-Dollar
Paul Cézanne Stillleben Bouilloire et Fruits 1888 — Auktionsrekord 59,3 Millionen US-Dollar. Public domain, via Wikimedia Commons

 

 

Die wichtigsten Arten des Stilllebens

Die Stillleben-Forschung unterscheidet die Gattung nach den dargestellten Gegenständen — und jede Unterart trägt ihre eigene Bildlogik.

Blumenstillleben waren in den südlichen und nördlichen Niederlanden besonders begehrt. Üppige Sträuße aus Tulpen, Rosen und exotischen Blüten signalisierten Wohlstand und das Naturinteresse einer wissenschaftlich geprägten Epoche. Zugleich enthielten sie eine stille Mahnung: Die schönste Blüte welkt.

Mahlzeitstillleben — auch Frühstücksstillleben oder banketje — zeigen gedeckte Tische mit Brot, Käse, Austern, Wein und Zitronen. Bei Pieter Claesz und Heda ist die Zitrone fast immer halb geschält, sodass die Schale spiralförmig auf den Tisch fällt. Das ist nicht Zufall: Die Spirale demonstriert das technische Können des Malers wie kaum ein anderes Detail.

Willem Claesz Heda, Stillleben mit geschälter Zitrone
Willem Claesz Heda, Stillleben mit geschälter Zitrone. Public domain, via Wikimedia Commons

Vanitasstillleben sind die philosophisch dichteste Form. Mit Totenkopf, Sanduhr, erlöschender Kerze, welkender Blume und Buch erinnern sie an die Vergänglichkeit alles Irdischen. Der Begriff stammt aus dem Buch Kohelet im Alten Testament: »Vanitas vanitatum et omnia vanitas« — »Es ist alles eitel«. Hauptzentrum war die Universitätsstadt Leiden, mit Malern wie David Bailly und den Brüdern Steenwijck.

Jagdstillleben mit erlegtem Wild, Federvieh und Jagdgerät stehen für Status und das Privileg des Adels. Frans Snyders, Adriaen van Utrecht und Jan Fyt sind die berühmtesten Vertreter. Prunkstillleben kombinieren Mahlzeit und Luxusobjekt — chinesisches Porzellan, venezianisches Glas, orientalische Teppiche. Musikinstrumentenstillleben des Italieners Evaristo Baschenis verbinden ästhetischen Reichtum mit Vanitas-Anklängen: Auch der Klang verklingt.

Eine Sonderstellung nimmt das Trompe-l’œil ein — das Bild, das den Betrachter glauben machen will, vor einem realen Gegenstand zu stehen. Cornelis Norbertus Gijsbrechts hat darin Maßstäbe gesetzt; sein gemalter Briefhalter mit Wachssiegeln und steckenden Notizen wirkt auf Distanz so täuschend, dass man die Hand danach ausstrecken möchte.

Die geheime Sprache der Symbole

Wer ein Stillleben des 17. Jahrhunderts liest wie ein modernes Gemälde, übersieht die Hälfte. Die Niederländer und Flamen jener Zeit teilten mit ihren Auftraggebern einen visuellen Code, der heute weitgehend vergessen ist — und der den Wert eines Werks am Auktionsmarkt erheblich beeinflusst, sobald er entschlüsselt wird.

Die zentrale Botschaft fast aller barocken Stillleben ist die Vergänglichkeit. Der Totenkopf verweist auf den Tod, die Sanduhr auf die ablaufende Zeit, die erlöschende Kerze auf das endende Leben, die welkende Tulpe auf die Eitelkeit menschlicher Schönheit. Insekten — besonders Fliegen und Schmetterlinge — markieren den Übergang von Leben zu Verfall.

Daneben existiert eine zweite Schicht christlicher Symbolik. Brot und Wein verweisen auf das Abendmahl, der Apfel auf den Sündenfall, die Zitrone mit ihrem schönen Äußeren und sauren Inneren auf die trügerische Verlockung weltlicher Genüsse — oder auf Mäßigung. Austern, in den Niederlanden als aphrodisierend geltend, stehen für sinnliche Verführung. Reife Früchte symbolisieren Fülle, überreife den nahen Verfall.

Sybille Ebert-Schifferer hat in ihrer Geschichte des Stillebens (1998) gezeigt, dass diese Symbolschicht sich um die Mitte des 17. Jahrhunderts zu verflüchtigen beginnt: Die gemalten Dinge werden zunehmend zum dekorativen Selbstzweck, der Bildgenuss tritt an die Stelle der moralischen Lehre. Die Dichte der Symbole gibt deshalb oft einen ersten Anhaltspunkt für die Datierung — ein Detail, das in der kunsthistorischen Einordnung eines Werks hilft, auch wenn der Marktwert eines Stilllebens letztlich von Künstler, Provenienz und Zustand bestimmt wird.

Berühmte Stillleben und ihre Künstler

Caravaggios Früchtekorb (um 1593/94) gilt vielen Kunsthistorikern als das Werk, das die Gattung als eigenständige Kunstform begründet hat. Caravaggio idealisierte nicht: Auf seinem Korb liegen welke Blätter und ein faulender Apfel. Diese Unvollkommenheit wird zum Programm des barocken Stilllebens.

Im niederländischen Barock setzen Pieter Claesz und Willem Claesz Heda in Haarlem den Maßstab für das Mahlzeitstillleben. Willem Kalf in Amsterdam treibt das Prunkstillleben zur Perfektion. Clara Peeters — eine der wenigen namentlich bekannten Malerinnen ihrer Zeit — gehört in Antwerpen zu den frühen Pionierinnen.

In Frankreich wird Jean-Baptiste-Siméon Chardin im 18. Jahrhundert zum Begründer einer bürgerlichen Stilllebenmalerei, die sich bewusst von der höfischen Pracht abwendet. Paul Cézanne verwandelt das Stillleben gegen Ende des 19. Jahrhunderts in ein Labor der Moderne. Sein Rideau, Cruchon et Compotier erzielte am 10. Mai 1999 bei Sotheby’s New York 60,5 Millionen US-Dollar und hält damit bis heute den Auktionsrekord für den Künstler. Zwei Jahrzehnte später bestätigte Cézannes Bouilloire et Fruits (1888–1890) das anhaltende Marktinteresse: Bei Christie’s in New York im Mai 2019 erzielte das Werk 59,3 Millionen US-Dollar (Hammerpreis 52 Millionen, mit Aufgeld 59,3 Millionen).

Vincent van Gogh schuf 1888 die berühmte Sonnenblumen-Serie als Schmuck für das Zimmer seines Freundes Paul Gauguin in Arles. Die Bilder gehören heute zu den meistreproduzierten Werken der Kunstgeschichte. Pablo Picasso und Georges Braque zerlegten im Kubismus das Stillleben in geometrische Facetten und legten so das Fundament der Abstraktion. Giorgio Morandi entdeckte im 20. Jahrhundert die Stille der Gattung neu — seine Flaschen und Krüge in gedämpften Erdtönen wirken bis heute zeitlos. Andy Warhol schließlich machte mit den Campbell’s Soup Cans aus dem Stillleben eine Aussage über Konsum und Wiederholbarkeit.

Stillleben in der Fotografie

Spätestens seit den 1920er-Jahren ist das Stillleben auch in der Fotografie ein eigenes Genre — still-life photography. Imogen Cunningham und Tina Modotti formulierten frühe Klassiker; Robert Mapplethorpe brachte später die gleiche kompositorische Strenge in seine ikonischen Calla-Lilien-Aufnahmen. Wolfgang Tillmans hat das Genre seit den 1990ern um eine beiläufige, fast tagebuchartige Bildsprache erweitert — gefundene Anordnungen auf Tischen und Fensterbänken, die im Augenblick ihrer Aufnahme zum Stillleben werden.

Für Einsteiger ist die Stillleben-Fotografie das ideale Übungsfeld: Das Motiv bewegt sich nicht, der Fotograf hat die volle Kontrolle über Komposition, Licht und Tiefenschärfe. Was in der Malerei jahrelange Übung erforderte — die Anordnung weniger Objekte zu einer überzeugenden Gesamtform —, lässt sich mit der Kamera systematisch durchspielen.

Modernes Stillleben — die Gattung erfindet sich neu

Vincent van Gogh Stillleben Sonnenblumen — modernes Blumenstillleben
Vincent van Gogh Stillleben Sonnenblumen — modernes Blumenstillleben. Public domain, via Wikimedia Commons

Wer glaubt, das Stillleben sei eine Sache der Vergangenheit, übersieht die Gegenwart. Wayne Thiebaud verwandelte in den 1960ern Kuchen, Süßigkeiten und Schaufensterauslagen in pastellfarbene Pop-Art. Der israelische Fotograf Ori Gersht ließ klassische Blumenstillleben in Hochgeschwindigkeitsaufnahmen explodieren — eine drastische Aktualisierung des Vanitas-Motivs.

Auf Instagram entsteht parallel ein vernakulärer Stillleben-Kosmos: arrangierte Frühstücke, Latte-Art, kuratierte Schreibtischauslagen. Was in der Tradition der niederländischen Mahlzeitbilder steht, hat heute oft nur noch die Bildform, nicht die Symbolik — und genau darin spiegelt sich, was sich in vier Jahrhunderten verändert hat. Die Komposition bleibt. Die moralische Lehre verschwindet.

Was ist mein Stillleben wert? Bewertung und Auktion

Wer ein Stillleben aus einem Nachlass übernimmt, steht meist vor derselben Frage: Ist das Bild auf dem Dachboden ein Familienerbstück mit ideellem Wert — oder ein Werk, das den Auktionsmarkt interessiert? Die Bandbreite ist erheblich. Anonyme Stillleben des 19. Jahrhunderts und nachträgliche Kopien älterer Werke werden in regionalen Auktionen häufig in unteren dreistelligen Bereichen zugeschlagen. Signierte Werke etablierter Salonmaler des 19. Jahrhunderts erreichen je nach Künstler, Zustand und Sujet vier- bis fünfstellige Beträge. Eigenhändige Stillleben niederländischer Meister des 17. Jahrhunderts beginnen typischerweise im fünfstelligen Bereich — und reichen, wie die Cézanne-Verkäufe der Klassischen Moderne zeigen, bis in den achtstelligen Dollarbereich. Diese Angaben sind grobe Marktorientierung, keine Schätzung — der konkrete Wert eines einzelnen Werks lässt sich nur nach Inaugenscheinnahme bestimmen.

Den Wert eines Stilllebens bestimmen vier Faktoren in dieser Reihenfolge: Künstler (gesicherte Zuschreibung versus Werkstatt versus »Umkreis«), Provenienz (lückenlose Sammlungs- und Ausstellungsgeschichte), Zustand (Originalfirnis, frühere Restaurierungen, Leinwandschäden) und Sujet (ein Blumenstrauß ist marktgängiger als eine Wildjagdszene).

Für Erben und Verkäufer aus Stuttgart und dem süddeutschen Raum bietet das Auktionshaus von Brühl eine kostenlose und unverbindliche Erstbewertung. Wir prüfen Signaturen, vergleichen Maße und Kompositionen mit Werkverzeichnissen, recherchieren Provenienzen und ordnen das Werk in den aktuellen Marktrahmen ein. Wer ein Stillleben verkaufen oder einliefern möchte, erreicht uns über das Kontaktformular oder direkt in unseren Räumen in Stuttgart-West.

Stillleben kaufen — worauf Sammler achten sollten

Stillleben sind eine der zugänglichsten Sammelkategorien der bildenden Kunst. Anders als bei großformatigen Historienbildern oder Landschaften finden sich auch in den unteren und mittleren Preissegmenten regelmäßig Werke namhafter Künstler. Vier Punkte entscheiden über die Qualität eines Erwerbs:

Authentizität. Ein Werk mit gesicherter Zuschreibung im Werkverzeichnis ist immer mehr wert als ein vergleichbares Bild ohne diesen Eintrag. Bei niederländischen Barockstillleben sind die Werkverzeichnisse von Pieter Claesz, Willem Kalf und ihren Zeitgenossen heute weitgehend digital zugänglich.

Zustand. Originale Firnisschicht und unrestaurierte Leinwand erhöhen den Wert; großflächige Übermalungen mindern ihn. Eine Untersuchung unter UV-Licht oder mit Infrarot-Reflektografie deckt vergangene Eingriffe auf.

Provenienz. Eine lückenlose Sammlungsgeschichte schafft Vertrauen und schließt Restitutionsrisiken aus — besonders relevant für Werke, die zwischen 1933 und 1945 in Europa den Besitzer gewechselt haben.

Sujet und Format. Bestimmte Sujets — Blumen- und Mahlzeitstillleben — sind am Markt traditionell stärker nachgefragt als Wildjagdszenen oder symboldichte Vanitas-Darstellungen, was sich in Preisniveau und Verkaufsdauer niederschlägt. Mittelformate (etwa 60 × 80 cm) sind für private Sammler leichter platzierbar als großformatige Prunkstillleben.

Im Auktionshaus von Brühl in Stuttgart führen wir regelmäßig Stillleben aus deutschen Privatsammlungen — vom signierten 19.-Jahrhundert-Blumenstrauß bis zum Werk niederländischer Schule des 17. Jahrhunderts. Aktuelle Lots finden sich im Katalog der laufenden Auktion.

Häufige Fragen zum Stillleben

Was ist ein Stillleben? Ein Stillleben ist die Darstellung unbelebter, ruhender Gegenstände — Blumen, Früchte, Geschirr, Bücher, Musikinstrumente, erlegtes Wild — in einer kunstvoll komponierten Anordnung. Komposition, Licht und Farbe stehen im Mittelpunkt; viele Werke transportieren zusätzlich eine symbolische oder moralische Botschaft.

Was bedeutet das Wort Stillleben? Der Begriff stammt aus dem Niederländischen stilleven — stil (unbewegt) und leven (Dasein). Im Französischen heißt die Gattung nature morte (»tote Natur«), im Italienischen natura morta, im Spanischen bodegón, im Englischen still life.

Was ist ein Vanitas-Stillleben? Ein Vanitasstillleben thematisiert die Vergänglichkeit des Lebens. Typische Motive sind Totenkopf, Sanduhr, erlöschende Kerze, welkende Blumen und Insekten. Der Begriff bezieht sich auf das Buch Kohelet im Alten Testament: Vanitas vanitatum et omnia vanitas — »Es ist alles eitel«.

Wer hat das Stillleben erfunden? Eine einzelne Erfindung gibt es nicht. Stilllebenartige Darstellungen existieren seit der Antike (Pompeji, Herculaneum). Als ältestes signiertes und datiertes selbstständiges Stillleben gilt Jacopo de‘ Barbaris Stillleben mit Rebhuhn, Eisenhandschuhen und Armbrustbolzen von 1504. Zur eigenständigen Gattung emanzipierte sich das Stillleben um 1600 fast gleichzeitig in den Niederlanden, Italien, Spanien und im deutschsprachigen Raum.

Welche Arten von Stillleben gibt es? Die wichtigsten Unterarten sind Blumenstillleben, Mahlzeit- und Frühstücksstillleben, Vanitasstillleben, Jagdstillleben, Prunkstillleben, Musikinstrumenten- und Bücherstillleben sowie das illusionistische Trompe-l’œil.

Schreibt man Stilleben oder Stillleben? Heute mit drei l: »Stillleben«. Diese Schreibweise ist seit der Rechtschreibreform von 1996 (Anpassung 2006) verbindlich. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war jedoch die Schreibung mit zwei l (»Stilleben«) üblich; in Sammlungskatalogen, Familieninventaren und älterer Fachliteratur findet sich diese Form bis heute. Wer recherchiert, sollte beide Varianten prüfen.

Wo kann ich ein geerbtes Stillleben bewerten und verkaufen lassen? Das Auktionshaus von Brühl in Stuttgart-West bietet kostenlose und unverbindliche Erstbewertungen für Stillleben aller Epochen — vom holländischen Barock bis zur klassischen Moderne. Wir prüfen Signatur, Provenienz und Zustand, ordnen das Werk in die aktuelle Marktlage ein und beraten zur Einlieferung in eine kommende Auktion.

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