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Alle Goldmünzen des Kaiserreichs haben denselben Feingehalt, dasselbe Gewicht und denselben Adler auf der Rückseite – das schrieb das Reichsgesetz vor. Trotzdem liegt zwischen einer 20 Mark Preußen und einer 20 Mark aus Reuß eine ganze Größenordnung im Wert. Der Unterschied steht nicht auf der Waage, sondern auf der Vorderseite: Welcher der 25 Prägeherren blickt Sie an, aus welchem Jahr stammt das Stück, welcher Buchstabe sitzt unter dem Adler? Dieser Ratgeber gibt Ihnen die Tabellen, um das in wenigen Minuten selbst zu lesen: einen Gold- und einen Silber-Kompass mit Feingehalt und Gewicht, die Rangfolge der Bundesstaaten nach Prägeauflage und die Liste der Münzzeichen. Was Kaiserreich-Münzen wert sind, entscheidet sich an genau diesen drei Fragen – Nominal, Staat, Zustand. Wie das bei anderen Sammelgebieten funktioniert, zeigt unsere Übersicht Münzen: Wert ermitteln.
Die Mark von 1871: Gold als Maß
Mit dem Gesetz vom 4. Dezember 1871 bekam das neue Reich eine gemeinsame Währung, das Münzgesetz vom 9. Juli 1873 dehnte sie auf alle Landeswährungen aus. Eine Mark entsprach 0,35842 Gramm Feingold – nicht mehr, nicht weniger. Aus dieser Zahl leitet sich alles ab, was Sie über den Metallwert wissen müssen: 20 Mark sind 7,168 Gramm Feingold, 10 Mark die Hälfte.
Silbermünzen waren dagegen Scheidemünzen. Der Staat legte fest, dass eine Mark in Silber genau 5 Gramm Feinsilber enthält, obwohl der Silberwert damals unter dem Nennwert lag. Daraus folgt eine Regel, die bis heute gilt: 2 Mark enthalten 10 Gramm, 3 Mark 15 Gramm, 5 Mark 25 Gramm Feinsilber. Alle Silbermünzen des Kaiserreichs sind 900er Silber.
Wer prägen durfte, entschied die Verfassung. Gold- und Silbermünzen ab 2 Mark prägten die Bundesstaaten: 22 Monarchen und die drei Freien Städte Bremen, Hamburg und Lübeck. Die Vorderseite zeigte den Landesherrn oder das Stadtwappen, die Rückseite den Reichsadler mit der Umschrift „Deutsches Reich“, dem Jahr und dem Nennwert. Die Prägezahlen jedes Staates richteten sich nach einem Bevölkerungsschlüssel – deshalb prägte Preußen in Millionen und ein Fürstentum wie Reuß in Tausendern. Diese Verteilung ist der Grund, warum ein Erbstück aus Greiz heute in einer anderen Liga spielt als eines aus Berlin.
Die Kleinmünzen fallen aus dieser Logik heraus. Pfennig bis 1 Mark trugen keinen Landesherrn, sondern nur Reichsadler, Wert, Jahr und Münzzeichen. Sie sind keine Bundesstaaten-Prägungen, und die 1-Mark-Münze ist mit 5 Gramm Feinsilber in erster Linie eine Silbermünze.
Goldmünzen: 20, 10 und 5 Mark
Die Reichsgoldmünzen gab es in drei Nominalen. Amtlich hießen sie Krone (10 Mark), Doppelkrone (20 Mark) und halbe Krone (5 Mark); im Volksmund wurde aus der Doppelkrone der „Goldfuchs“, weil die Legierung mit zehn Prozent Kupfer rötlich schimmert.
| Nominal | Feingehalt | Raugewicht | Feingold | Durchmesser | Prägezeit |
|---|---|---|---|---|---|
| 20 Mark | 900/1000 | 7,965 g | 7,168 g | 22,5 mm | 1871–1915 |
| 10 Mark | 900/1000 | 3,982 g | 3,584 g | 19,5 mm | 1872–1912 |
| 5 Mark | 900/1000 | 1,991 g | 1,792 g | 17 mm | 1877–1878 |
Eine Rechenhilfe, die ohne Kurs auskommt: 20 Mark enthalten 7,168 Gramm Feingold, das ist knapp ein Viertel Feinunze. Wer den aktuellen Goldpreis kennt, hat damit den Boden des Wertes in einer Kopfrechnung – für jede 20-Mark-Münze, aus welchem Staat auch immer.
Im Handel heißen die Stücke oft „20 Reichsmark Gold“ – die Aufschrift lautet Deutsches Reich, die Währung hieß Mark; die Reichsmark ist die spätere Währung ab 1924 und ein eigenes Thema.
Die 5-Mark-Goldmünze ist ein Kuriosum. Mit 17 Millimetern Durchmesser und knapp zwei Gramm war sie so klein, dass sie ständig verloren ging und immer wieder zur Reichsbank zurückfloss. Nach zwei Jahrgängen, 1877 und 1878, wurde die Prägung eingestellt. Wer heute eine in der Hand hält, sollte sie mit besonderer Vorsicht betrachten – warum, steht weiter unten im Abschnitt über Fälschungen.
Die 20-Mark-Stücke tragen die vertiefte Randschrift GOTT MIT UNS, die 10-Mark-Stücke einen Rand aus Arabesken und Sternen, die 5-Mark-Stücke einen glatten Rand. Die Randschrift ist ein Echtheits- und Erhaltungsmerkmal zugleich: Sie muss vollständig und scharf sein, und sie leidet als erstes, wenn eine Münze gefasst oder poliert wurde.
20 Mark Gold: Wert nach Staat und Jahrgang
Preußen: Wilhelm I., Friedrich III., Wilhelm II.
Preußen prägte 20 Goldmark unter drei Kaisern, die zugleich Könige von Preußen waren: Wilhelm I. von 1871 bis 1888, Friedrich III. nur 1888, Wilhelm II. von 1888 bis 1915. Zusammen kommen die preußischen 20-Mark-Stücke auf rund 196 Millionen Exemplare, die preußischen 10-Mark-Stücke auf rund 45 Millionen – Preußen allein, ohne die anderen Staaten. Das ist der Grund, warum eine 20 Mark Wilhelm II. heute im Edelmetallhandel als Anlagemünze läuft: Sie ist Handelsgold, und ihr Wert ist in aller Regel der Goldwert.
Das Dreikaiserjahr 1888 ist die häufigste Falle für Erben. Friedrich III. regierte nur 99 Tage, und die Vorstellung liegt nahe, eine Münze mit seinem Bild müsse selten sein. Sie ist es nicht: Preußen prägte 1888 rund 5,4 Millionen 20-Mark-Stücke mit Friedrich III. und dazu 880.000 zu 10 Mark. Wer „20 Mark Münze 1888 Wert“ sucht, bekommt hier die ehrliche Antwort: Der Wert einer 20 Mark 1888 ist in gewöhnlicher Erhaltung der Goldwert – gleichgültig, welcher der drei Kaiser darauf zu sehen ist.
Preußen ist Handelsgold – mit Ausnahmen. Innerhalb der preußischen Massenprägungen gibt es Jahrgänge und Münzzeichen, die in kleinen Stückzahlen entstanden. Beim 10-Mark-Stück Wilhelm I. wurden 1876 in Hannover nur 2.800 Exemplare geprägt, 1882 in Berlin 8.000, 1883 in Berlin 13.000. Beim 20-Mark-Stück fallen 1874 aus Frankfurt mit 88.000 und 1878 aus Frankfurt mit 82.400 Stück aus dem Rahmen, ebenso 1906 aus Hamburg mit 82.000. Und die ersten 10 Mark Wilhelms II. von 1889 entstanden in nur 24.000 Exemplaren. Solche Stücke sehen aus wie alle anderen. Wer sein Erbstück nur wiegt, übersieht sie – wer Jahr und Münzzeichen liest, nicht.
Die anderen Staaten: Rangfolge nach Prägeauflage
Dieselbe Münze, derselbe Adler, dieselben 7,168 Gramm Feingold – und doch trennt eine 20 Mark Preußen von einer 20 Mark Reuß älterer Linie eine Größenordnung. Preußen allein prägte rund 196 Millionen 20-Mark-Stücke; alle übrigen 24 Prägeherren zusammen kommen nach der Tabelle unten auf gut 30 Millionen. Die Tabelle ordnet alle Staaten, die Goldmünzen prägten, nach ihrer Gesamtauflage an 20-Mark-Stücken in drei Gruppen. Handelsgold heißt: Der Goldkurs ist die realistische Antwort. Sammler heißt: Der Goldwert ist der Boden, darüber entscheidet der Markt. Rarität heißt: Das Stück gehört vor eine Fachperson, bevor irgendjemand über Metall spricht.
| Staat | Prägeherr(en) | Prägejahre 20 Mark | Auflage 20 Mark (gerundet) | Gruppe |
|---|---|---|---|---|
| Preußen | Wilhelm I., Friedrich III., Wilhelm II. | 1871–1915 | rund 196 Mio. | Handelsgold |
| Hamburg | Stadtwappen | 1875–1913 | rund 10,9 Mio. | Handelsgold |
| Bayern | Ludwig II., Otto, Ludwig III. | 1872–1878, 1895–1914 | rund 7,8 Mio. | Handelsgold |
| Württemberg | Karl, Wilhelm II. | 1872–1876, 1894–1914 | rund 5,3 Mio. | Handelsgold |
| Sachsen | Johann, Albert, Georg, Friedrich August III. | 1872–1878, 1894–1914 | rund 4,7 Mio. (Georg 1903: 250.000) | Handelsgold |
| Baden | Friedrich I., Friedrich II. | 1872–1874, 1894–1895, 1911–1914 | rund 2,4 Mio. | Handelsgold |
| Hessen | Ludwig III., Ludwig IV., Ernst Ludwig | 1872–1874 (Ludwig III.), 1892 (Ludwig IV.), 1893–1911 (Ernst Ludwig) | rund 1,5 Mio. (1892 und 1893: je rund 25.000) | Handelsgold |
| Braunschweig | Wilhelm | 1875 | 100.000 | Sammler |
| Anhalt | Friedrich I., Friedrich II. | 1875, 1896–1904 | rund 80.000 | Sammler |
| Mecklenburg-Schwerin | Friedrich Franz II., Friedrich Franz IV. | 1872, 1901 | rund 69.000 (1872) und rund 5.000 (1901) | Sammler |
| Sachsen-Coburg und Gotha | Ernst II., Alfred, Carl Eduard | 1872, 1886, 1895, 1905 | rund 41.000 (1872: rund 1.000) | Sammler |
| Sachsen-Weimar-Eisenach | Carl Alexander, Wilhelm Ernst | 1892–1896, 1901 | rund 20.000 und rund 5.000 (1901) | Sammler |
| Bremen | Stadtwappen | 1906 | rund 20.000 | Sammler |
| Sachsen-Altenburg | Ernst | 1887 | 15.000 | Sammler |
| Reuß jüngere Linie | Heinrich XIV. | 1881 | rund 12.500 | Sammler |
| Schaumburg-Lippe | Adolf Georg, Georg | 1874, 1898, 1904 | 3.000 (1874), je 5.000 (1898, 1904) | Rarität |
| Sachsen-Meiningen | Georg II. | 1872–1914, fünf Typen | je Typ 2.000–4.000 | Rarität |
| Mecklenburg-Strelitz | Friedrich Wilhelm, Adolf Friedrich V. | 1874, 1905 | rund 6.000 (1874), rund 1.000 (1905) | Rarität |
| Schwarzburg-Sondershausen | Karl Günther | 1896 | 5.000 | Rarität |
| Waldeck und Pyrmont | Friedrich | 1903 | 2.000 | Rarität |
| Reuß ältere Linie | Heinrich XXII. | 1875 | 1.500 | Rarität |
| Oldenburg | Nicolaus Friedrich Peter | nur 10 Mark (1874) | – | Sammler |
| Lübeck | Stadtwappen | nur 10 Mark (1901–1910) | – | Sammler |
| Schwarzburg-Rudolstadt | Günther Victor | nur 10 Mark (1898) | – | Rarität |
| Lippe | Leopold IV. | nur 10 Mark (1913) | – | Rarität |
Prägezahlen nach Jaeger, Die deutschen Münzen seit 1871, zusammengestellt aus Münzkatalogen; Gruppenzuordnung nach Gesamtauflage der 20-Mark-Stücke. Einzelne Jahrgänge innerhalb einer Gruppe können deutlich seltener sein als die Gruppe vermuten lässt.
Die Tabelle zeigt auch, warum das Erbstück aus Süddeutschland in der Regel Handelsgold ist. Württemberg prägte über fünf Millionen 20-Mark-Stücke, alle in der Münzstätte Stuttgart, erkennbar am F unter dem Adler. König Karl von 1872 bis 1876 und König Wilhelm II. von Württemberg von 1894 bis 1914 gehören zu den Motiven, die der Edelmetallhandel heute zum Goldkurs bewegt. Die Staatliche Münze Stuttgart prägt bis heute – wer im Umkreis wohnt, hat sehr wahrscheinlich eine Münze aus dieser Werkstatt in der Schublade.
Wenn in Ihrer Tabelle die Zeile Ihres Stückes „Rarität“ heißt oder der Jahrgang zu den Ausnahmen gehört: Nicht wiegen, nicht putzen, nicht in eine Fassung geben. Bringen Sie es vorbei, wir sehen es uns an.
10 Mark Gold
Für 10 Mark Gold, die Krone, gilt dieselbe Logik wie für die Doppelkrone, nur strenger. Preußen allein prägte rund 45 Millionen 10-Mark-Stücke gegenüber rund 196 Millionen zu 20 Mark – mehr als viermal so viele große wie kleine Stücke. Das drückt sich heute in einem relativ höheren Sammlerinteresse an den kleinen Stücken aus, auch wenn ihr Goldwert nur halb so hoch ist.
Bei den Kleinstaaten wird es noch enger. Vier Staaten haben überhaupt nur 10 Mark geprägt und nie 20: Oldenburg 1874, Lübeck zwischen 1901 und 1910, Schwarzburg-Rudolstadt 1898 und Lippe 1913. Andere Fürstentümer ließen nur einen einzigen Jahrgang zu 10 Mark prägen. Wer eine 10-Mark-Münze mit einem Wappen oder einem Herzog erbt, den er nicht auf Anhieb zuordnen kann, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Handelsgold in der Hand. Umgekehrt gilt: 10 Mark Preußen Wilhelm I. oder Wilhelm II., 10 Mark Hamburg, 10 Mark Bayern in gewöhnlicher Erhaltung sind Goldwert – mit den preußischen Ausnahmen, die oben genannt sind.
Silbermünzen: 2, 3 und 5 Mark
Die Silbermünzen des Kaiserreichs folgen der Regel 1 Mark = 5 Gramm Feinsilber.
| Nominal | Feingehalt | Raugewicht | Feinsilber | Durchmesser | Rand | Prägezeit |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 2 Mark | 900/1000 | 11,111 g | 10 g | 28 mm | gekerbt | 1876–1915 |
| 3 Mark | 900/1000 | 16,667 g | 15 g | 33 mm | GOTT MIT UNS | 1908–1918 |
| 5 Mark | 900/1000 | 27,778 g | 25 g | 38 mm | GOTT MIT UNS | 1874–1915 |
Maße nach der Liste der Silbermünzen des deutschen Kaiserreichs (Wikipedia) und Jaeger.
Das 3-Mark-Stück hat eine Vorgeschichte. Der alte Vereinstaler mit 16,667 Gramm Feinsilber blieb nach 1871 als 3-Mark-Stück gültig – bis 1907. Erst 1908 kam die eigene 3-Mark-Münze mit demselben Raugewicht, und die Bevölkerung nannte sie weiter „Taler“. Wer im Nachlass Taler und 3-Mark-Stücke gemischt findet, sieht die Währungsgeschichte in einer Schachtel.
Neben den Kursmünzen prägten die Staaten zu Anlässen Gedenkmünzen zu 2, 3 und 5 Mark: Regierungsjubiläen, Hochzeiten, Todesfälle, Universitätsjubiläen. Sie entsprachen in Rau- und Feingewicht den Kursmünzen und waren gesetzliches Zahlungsmittel. Die bekanntesten sind zugleich die häufigsten: 1913 feierte Preußen die Jahrhundertwende der Befreiungskriege und das fünfundzwanzigste Regierungsjahr Wilhelms II. mit 2- und 3-Mark-Stücken in Millionenauflagen – die 3-Mark-Jubiläumsmünze allein in rund einer Million Exemplaren. Sie liegen in fast jedem Silberkonvolut, und ihr Wert ist in gewöhnlicher Erhaltung der Silberwert. Wer eine „Befreiungskriege 1913″ für eine Rarität hält, wird enttäuscht; wer sie als 15 Gramm Feinsilber einordnet, liegt richtig.
Kleinstaaten-Silber existiert genauso wie Kleinstaaten-Gold. Bremen prägte sein 5-Mark-Stück 1906 in 40.846 Exemplaren, Sachsen-Coburg und Gotha 1895 nur 4.000. Bei Silber entscheidet die Auflage noch stärker über den Aufschlag, weil der Metallboden niedriger liegt.
Ein Wort zur Abgrenzung: Das 5-DM-Silberstück der Bundesrepublik ab 1951 ist ein anderes Stück mit anderem Feingehalt und gehört in den Ratgeber DM-Münzen: Wert und Silbergehalt. Und die 1-Mark-Münze des Kaiserreichs, die in jedem Konvolut liegt, ist mit 5,556 Gramm Raugewicht und 5 Gramm Feinsilber reichseinheitlich geprägt, ohne Landesherrn – ihr Wert ist in aller Regel der Silberwert.
Prägestätten und Münzzeichen
Der Buchstabe unter dem Adler verrät, wo die Münze geprägt wurde. Neun Münzstätten arbeiteten für das Kaiserreich, drei davon nur wenige Jahre.
| Zeichen | Münzstätte | Prägezeit im Kaiserreich | Prägte Reichsgold für |
|---|---|---|---|
| A | Berlin | durchgehend | Preußen und die meisten Kleinstaaten |
| B | Hannover | 1872–1878 | Preußen, Oldenburg, Reuß ältere Linie, Schaumburg-Lippe |
| C | Frankfurt am Main | 1872–1879 | Preußen |
| D | München | durchgehend | Bayern, Sachsen-Meiningen |
| E | Dresden, ab 1887 Muldenhütten | durchgehend | Sachsen, Sachsen-Coburg und Gotha |
| F | Stuttgart | durchgehend | Württemberg |
| G | Karlsruhe | durchgehend | Baden |
| H | Darmstadt | 1872–1882 | Hessen |
| J | Hamburg | ab 1875 | Hamburg, Bremen, Preußen |
Laufzeiten nach Jaeger und den Angaben der Münzstätten.
Die drei früh geschlossenen Stätten Hannover, Frankfurt und Darmstadt sind Sammlerkriterien: Alles, was dort geprägt wurde, stammt aus den ersten Jahren des Reichs, und die Stückzahlen sind übersichtlich. Das preußische 10-Mark-Stück von 1876 aus Hannover mit 2.800 Exemplaren ist das bekannteste Beispiel. Wer ein B, C oder H unter dem Adler findet, sollte den Jahrgang gegen die Auflage prüfen, bevor die Münze zum Goldankauf wandert.
Für Sammler ist die Kombination aus Staat, Jahrgang und Münzzeichen der Reiz des Gebiets: Wer Kaiserreich-Münzen sammelt, sammelt nicht 25 Staaten, sondern mehrere hundert Varianten. Für Erben ist sie schlicht die Adresse, unter der sich der Wert ihres Stückes nachschlagen lässt.
Die Adler-Typen und die Datierung
Die Rückseite war reichseinheitlich, wurde aber zweimal verändert – und das hilft beim Datieren, wenn die Jahreszahl abgegriffen ist.
Von 1871 bis 1873 zeigt der Adler ein kleines Bild mit großem Brustschild, darunter steht der Nennwert abgekürzt als „20 M.“ oder „10 M.“. Ab 1874 wurde das Wort ausgeschrieben – „20 MARK“ –, damit sich die neue Währung im Bewusstsein der Bevölkerung festsetzte; der Adler blieb klein. Ab 1890 kam der neue, deutlich vergrößerte Reichsadler mit kleinem Schild und großer Krone, entworfen von Otto Schultz in Berlin.
Für Sie heißt das: Kleiner Adler mit „M.“ – erste Jahre, Wilhelm I. oder die frühen Prägungen der anderen Staaten. Kleiner Adler mit „MARK“ – 1874 bis 1889. Großer Adler – 1890 oder später. Bei den Silbermünzen ab 2 Mark gilt die Umstellung ebenso. Wer eine Münze mit kleinem Adler und einem Kleinstaat auf der Vorderseite hat, hält fast immer eine Prägung aus den Anfangsjahren, und die sind in der Regel die knappen.
Erhaltung: Warum „vorzüglich“ den Unterschied macht
Bei Handelsgold spielt die Erhaltung kaum eine Rolle – 7,168 Gramm Feingold bleiben 7,168 Gramm. Bei allem, was über den Goldwert hinausgeht, ist sie der Hebel. Die deutsche Konvention kennt vier Stufen: schön (s) für stark umgelaufene Stücke mit abgegriffenem Relief, sehr schön (ss) für Münzen mit sichtbaren Umlaufspuren, aber vollständigen Details, vorzüglich (vz) für Stücke mit nur geringen Spuren und Stempelglanz (st) für prägefrische Exemplare. Polierte Platte (PP) ist keine Erhaltung, sondern eine Prägequalität für Sammler mit spiegelnden Flächen. Der Sprung von sehr schön auf vorzüglich ist bei seltenen Stücken der Sprung, um den es am Sammlermarkt geht.
Was den Zustand mindert, ist meist Handarbeit späterer Generationen. Viele 20-Mark-Stücke wurden als Anhänger gefasst; die Fassung hinterlässt Spuren am Rand, oft eine gebohrte Öse oder Kratzer in der Randschrift. Für den Goldwert ist das gleichgültig, für den Sammlerwert ist es das Ende. Randschläge, Kratzer im Feld und vor allem Politur gehören in dieselbe Kategorie: Eine polierte Münze verliert ihre Oberfläche, und die kommt nicht zurück. Deshalb gilt für Kaiserreich-Münzen dasselbe wie für jede historische Münze – nicht reinigen, nicht polieren, nicht mit Silberputzmittel behandeln. Warum, erklärt unser Ratgeber Münzen reinigen.
Fälschungen mit richtigem Gewicht. Zwischen 1959 und 1962 prägte eine private Werkstatt Hunderttausende Reichsgoldmünzen nach – fast alle 20-Mark-Typen, professionell und in Gold. Die Stücke kamen als Nachprägungen in den Handel, was damals noch nicht verboten war, und wurden zeitweise sogar über Bankschalter als Anlagegold verkauft. Erst später wurde das Nachprägen ehemaliger Umlaufgoldmünzen ohne Kennzeichnung unter Strafe gestellt. Die Folge ist bis heute spürbar: Ein nicht geringer Teil der umlaufenden 20-Mark-Stücke stammt aus dieser Werkstatt, und beim 5-Mark-Goldstück gilt der größte Teil der heute angebotenen Exemplare als nachgeprägt. Wer nur wiegt und den Feingehalt prüft, merkt es nicht – Gewicht und Legierung stimmen. Erkennbar sind die Nachprägungen an Stempelmerkmalen, die ein Münzfachmann kennt. Für Sie heißt das: Eine 5-Mark-Goldmünze im Nachlass ist ein Prüffall, kein Fund; und eine seltene 20 Mark verdient den Blick eines Numismatikers, bevor sie als Rarität verkauft wird.
Was Kaiserreich-Münzen heute wert sind
Die Wertlogik hat zwei Ebenen, und sie gilt für Gold und Silber gleich.
Der Boden ist der Metallwert: Feingold mal Tageskurs bei den Gold-, Feinsilber mal Tageskurs bei den Silbermünzen. Die Zahlen dafür stehen in den Tabellen oben, den aktuellen Kurs finden Sie in unserer Edelmetall-Preisliste. Unter diesen Boden fällt keine echte Münze, weil das Metall ihn trägt.
Der Aufschlag ist der Sammlerwert, und er entsteht aus vier Faktoren: dem Bundesstaat, also der Auflage nach Bevölkerungsschlüssel; dem Jahrgang, also der Auflage innerhalb des Staates; der Prägestätte, vor allem den früh geschlossenen und den seltenen Kombinationen; und der Erhaltung. Je mehr dieser Faktoren zusammenkommen, desto weiter entfernt sich der Marktwert vom Metallboden. Eine 20 Mark Reuß älterer Linie in vorzüglicher Erhaltung erfüllt alle vier. Eine 20 Mark Preußen 1901 in sehr schön erfüllt keinen.
Für die meisten 20-Mark-Stücke ist der Goldkurs deshalb die ehrliche Antwort – und das ist bei sieben Gramm Feingold keine schlechte. Diese Klarheit erspart Ihnen den Umweg über Angebote, die mit dem Wort „selten“ arbeiten, wo nur „alt“ zutrifft. Dieselbe Methode – Metall als Boden, Auflage und Erhaltung als Aufschlag – wenden wir in den Ratgebern DDR-Münzen: Wert und DM-Münzen: Wert und Silbergehalt an.
Was wir machen, ist eine Einschätzung am Objekt – kein Gutachten. Der Unterschied hat eine praktische Folge: Für Gericht, Erbauseinandersetzung oder Versicherung wird eine förmliche Bewertung verlangt, die nur öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige erstellen. Sie finden sie über das Sachverständigenverzeichnis der IHK. Für die Frage, was Ihre Münzen am Markt bringen, brauchen Sie das nicht.
Kaiserreich-Münzen verkaufen: Goldankauf oder Auktion
Welcher Weg der richtige ist, entscheidet die Tabelle oben – nicht das Gefühl. Wir bieten beide Wege im Haus, und wir sagen Ihnen am Objekt, welcher zu Ihrem Stück passt.
Goldankauf zum Tageskurs ist der ehrliche Weg für Handelsgold: 20 und 10 Mark aus Preußen, Hamburg, Bayern, Württemberg, Sachsen, Baden und Hessen in gewöhnlicher Erhaltung, ohne seltenen Jahrgang und ohne geschlossene Prägestätte. Hier bezahlt der Sammlermarkt keinen Aufschlag, den ein Goldankauf nicht auch zahlt. Wie das bei uns abläuft, steht auf der Seite Gold verkaufen in Stuttgart.
Die Auktion ist der Weg für alles, was in der Tabelle „Sammler“ oder „Rarität“ heißt, für die preußischen Ausnahmejahrgänge, für Münzen aus Hannover, Frankfurt und Darmstadt, für Erhaltungen ab vorzüglich, für Kleinstaaten-Silber und für komplette Sammlungen. Dort bieten die Menschen, für die eine 20 Mark Waldeck etwas anderes ist als sieben Gramm Gold. Was bei uns in die Auktion geht, sehen Sie im Archiv. Zum Beispiel Silbermünzen aus dem Kaiserreich oder Goldmünzen aus Preußen.
Einzelne Stücke nehmen wir über den Münzen-Ankauf in Stuttgart entgegen, ganze Bestände über Münzsammlung verkaufen.
20 Mark Kaiser Wilhelm verkaufen: Goldankauf oder Auktion?
Die häufigste Suchanfrage zu Kaiserreich-Münzen betrifft die häufigste Münze: die Goldmünze Kaiser Wilhelm 20 Mark – meist Wilhelm II. von Preußen aus den Jahren 1890 bis 1913. Wer 20 Goldmark verkaufen will, steht fast immer mit genau diesem Stück vor der Frage, ob Ankauf oder Auktion der richtige Weg ist. In gewöhnlicher Erhaltung ist die Antwort einfach – Goldankauf zum Tageskurs, und Sie haben in wenigen Minuten Gewissheit. Dasselbe gilt für Wilhelm I. und für Friedrich III. aus dem Dreikaiserjahr.
Drei Dinge ändern die Antwort. Erstens der Jahrgang: 1906 aus Hamburg, die ersten 10 Mark von 1889, die frühen Frankfurter und Hannoveraner Prägungen. Zweitens die Prägestätte: ein B, C oder H unter dem Adler verdient immer den zweiten Blick – und beim J nur der Jahrgang 1906. Drittens die Erhaltung: ein Stück ohne Kratzer, ohne Fassungsspuren, mit vollständiger Randschrift und frischem Glanz gehört in die Auktion, nicht in die Waagschale. Wenn eines davon zutrifft, legen Sie die Münze nicht zum Goldankauf, sondern zeigen sie uns – wir sortieren beide Wege in einem Termin.
Bringen Sie Ihre Münzen in die Seyfferstraße 103 in Stuttgart-West. Im Umkreis von 100 Kilometern kommen wir bei größeren Beständen zu Ihnen; eine Einsendung ist nach Absprache möglich. Und wer neben den Münzen auch eine Briefmarkensammlung aus derselben Zeit geerbt hat: Für sie gilt eine eigene Logik, die der Ratgeber Briefmarken Deutsches Reich: Wert erklärt.
Häufige Fragen zu Kaiserreich-Münzen
Welche Münzen im deutschen Kaiserreich sind wertvoll?
Wertvolle Münzen aus dem Deutschen Reich der Kaiserzeit sind die mit kleiner Auflage: Goldstücke der Kleinstaaten wie Reuß, Waldeck, Schaumburg-Lippe oder Sachsen-Meiningen, seltene Jahrgänge innerhalb der großen Staaten, Prägungen aus den früh geschlossenen Münzstätten Hannover, Frankfurt und Darmstadt, dazu Gedenk- und Kleinstaaten-Silber in kleinen Stückzahlen – jeweils in guter Erhaltung. Die preußische Massenware zu 20 und 10 Mark ist Handelsgold und in der Regel Goldwert.
Was sind 20 Goldmark heute wert?
Der Boden ist der Goldwert: 7,168 Gramm Feingold multipliziert mit dem Tageskurs, den Sie in unserer Edelmetall-Preisliste finden. Für die meisten 20-Mark-Stücke aus Preußen, Hamburg, Bayern und Württemberg ist das auch der Marktwert. Einen Aufschlag gibt es nur bei seltenem Staat, seltenem Jahrgang, seltener Prägestätte oder hoher Erhaltung – und der lässt sich nur am Stück beziffern.
Wie schwer ist eine 20-Mark-Goldmünze?
Eine 20-Mark-Goldmünze des Kaiserreichs wiegt 7,965 Gramm bei einem Feingehalt von 900/1000, enthält also 7,168 Gramm Feingold. Der Durchmesser beträgt 22,5 Millimeter, die Dicke etwa 1,4 Millimeter, die Randschrift lautet GOTT MIT UNS. Diese Werte gelten für alle Bundesstaaten und Jahrgänge gleich.
Wie viel ist eine 20-Mark-Goldmünze von Kaiser Wilhelm II. wert?
Die 20 Mark Wilhelm II. von Preußen ist die häufigste Reichsgoldmünze überhaupt und in gewöhnlicher Erhaltung Handelsgold, also Goldwert. Ausnahmen sind seltene Jahrgänge wie 1906 aus Hamburg, Prägungen mit einem B, C oder H unter dem Adler und Stücke in vorzüglicher oder prägefrischer Erhaltung ohne Fassungsspuren. Diese gehören in die Auktion.
Haben Münzen mit „Deutsches Reich“ Sammlerwert?
Die Münzen des Kaiserreichs von 1871 bis 1918 mit der Umschrift „Deutsches Reich“ haben Sammlerwert, wenn Staat, Jahrgang, Prägestätte oder Erhaltung selten sind – das erklärt dieser Ratgeber. Münzen mit derselben Umschrift, aber dem Nennwert „Reichsmark“, stammen aus der Zeit ab 1924 und sind ein eigenes Thema.
Wie finde ich heraus, ob meine Münzen wertvoll sind?
Lesen Sie die Vorderseite: Welcher Landesherr oder welches Wappen? Dann das Jahr und den Buchstaben unter dem Adler. Mit diesen drei Angaben finden Sie Ihr Stück in den Tabellen oben und wissen, ob es Handelsgold, Sammlerstück oder Rarität ist. Bei einem Kleinstaat, einem seltenen Jahrgang oder Unsicherheit über die Echtheit zeigen Sie die Münze einer Fachperson, bevor Sie sie verkaufen.
Wie viel ist 1 Mark aus dem Kaiserreich wert?
Die 1-Mark-Münze des Kaiserreichs wiegt 5,556 Gramm und enthält 5 Gramm Feinsilber. Sie wurde reichseinheitlich ohne Landesherrn geprägt und in sehr großen Stückzahlen ausgegeben. Ihr Wert ist in gewöhnlicher Erhaltung der Silberwert; nur einzelne seltene Jahrgänge und Münzzeichen in hoher Erhaltung tragen einen Sammleraufschlag.
Sie haben Goldmünzen oder ein Silberkonvolut aus dem Kaiserreich geerbt und wissen nicht, in welche Gruppe sie gehören? Kommen Sie mit den Stücken vorbei – wir lesen Staat, Jahrgang und Münzzeichen am Objekt und sagen Ihnen, welcher Weg passt. Münzen verkaufen in Stuttgart
