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Münzen

DDR Münzen: Wert, Tabellen und die Ausgaben, die wirklich zählen

Inhaltsverzeichnis

Von den 122 Gedenkmünzen der DDR enthalten 68 kein Silber. Sie bestehen aus Neusilber, einer Legierung aus Kupfer, Zink und Nickel, die nur so heißt, als wäre sie edel. Ob ein Stück Silber enthält, sagt Ihnen eine Küchenwaage in zehn Sekunden: Ein silbernes 20-Mark-Stück wiegt 20,9 Gramm, das gleich große Stück aus Neusilber 15 Gramm. Und die Bundesbank tauscht DDR-Geld nicht um. Was DDR-Münzen wert sind, entscheidet deshalb allein der Sammler- und der Materialmarkt.

Die Tabellen unten listen alle 53 Silberausgaben mit Feingehalt, Gewicht, Feinsilber und Auflage, dazu die Kursmünzen und die wenigen echten Raritäten. Damit sortieren Sie eine Schachtel DDR-Münzen in einer halben Stunde in drei Stapel: Silber, Neusilber, Sonderfall.

Silber oder Neusilber? Die Gewichtstabelle

Die wichtigste Tabelle dieser Seite. Alle DDR-Gedenkmünzen eines Nominals haben denselben Durchmesser. Was sich unterscheidet, ist das Gewicht, weil Silber dichter ist als Neusilber. Legen Sie die Münze auf eine Waage, die auf ein Zehntelgramm anzeigt, und lesen Sie ab:

NominalDurchmesserSilberNeusilber / Kupfer-NickelBronze
5 Mark29 mmkeine Silberausgabe9,6 g oder 12,2 g9,7 g (nur „XX Jahre DDR“ 1969)
10 Mark31 mm17 g12 g–
20 Mark33 mm20,9 g (Feinsilber 1990: 18,2 g)15 g (eine frühe Ausgabe 1971: 16,5 g)–

Quelle: Wikipedia-Liste der Gedenkmünzen der DDR (Gewichte), Geldmarie (Feingehalte der 53 Silberausgaben).

Drei Sätze, die Sie sich merken sollten:

Kein 5-Mark-Stück der DDR enthält Silber. Auch die schwereren 12,2-Gramm-Ausgaben wie „Robert Koch“ 1968 nicht. Wer ein 5-Mark-Stück auf die Waage legt und 12 Gramm sieht, hält keine Silbermünze in der Hand, sondern eine dickere Prägung aus unedlem Metall.

Bei 10 und 20 Mark entscheiden fünf Gramm. 17 statt 12, 20,9 statt 15. Dazwischen gibt es nichts, was man verwechseln könnte.

Der Feingehalt steht nicht auf der Münze. Er hängt an der einzelnen Ausgabe, nicht am Jahr. Die 10 Mark „Carl Maria von Weber“ 1976 ist 500er Silber, die 20 Mark „Wilhelm Liebknecht“ desselben Jahres 625er. Deshalb steht in den Tabellen unten jede Ausgabe einzeln.

Hilfsmerkmale, die die Waage ergänzen: Silberausgaben tragen meist eine vertiefte Randschrift („20 MARK * 20 MARK * …“), viele Neusilber-Ausgaben einen geriffelten Rand. Silber klingt beim Fallenlassen auf Holz heller und länger. Silber läuft mit den Jahren dunkel an; Neusilber wirkt kälter und läuft kaum an. Nichts davon ist so sicher wie das Gewicht.

Feinsilber ausrechnen: Gewicht mal Feingehalt. Ein 20-Mark-Stück in 625er Silber enthält 20,9 g × 0,625 = rund 13,1 g Feinsilber. Diese Zahl ist der Boden des Wertes: Sie ändert sich nie, nur der Silberkurs darüber.

20-Mark-Münzen der DDR: Wert und Silbergehalt

Das 20-Mark-Stück war die höchste Nominale der DDR und, mit drei Ausnahmen, Persönlichkeiten vorbehalten. 26 der 20-Mark-Motive bestehen aus Silber. Alle 26 stehen hier, in der Reihenfolge ihrer Ausgabe:

JahrAnlassFeingehaltGewichtFeinsilberAuflage
1966250. Todestag Gottfried Wilhelm Leibniz (MDN)80020,9 g16,7 g48.581
1967200. Geburtstag Wilhelm von Humboldt (MDN)80020,9 g16,7 g52.598
1968150. Geburtstag Karl Marx80020,9 g16,7 g53.146
1969220. Geburtstag Johann Wolfgang von Goethe62520,9 g13,1 g53.222
1970150. Geburtstag Friedrich Engels62520,9 g13,1 g47.719
1971100. Geburtstag Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg62520,9 g13,1 g47.465
1972500. Geburtstag Lucas Cranach62520,9 g13,1 g47.548
197360. Todestag August Bebel62520,9 g13,1 g47.197
1974250. Geburtstag Immanuel Kant62520,9 g13,1 g44.465
1975225. Todestag Johann Sebastian Bach62520,9 g13,1 g49.497
1976150. Geburtstag Wilhelm Liebknecht62520,9 g13,1 g43.160
1977200. Geburtstag Carl Friedrich Gauß50020,9 g10,5 g42.502
1978175. Todestag Johann Gottfried Herder50020,9 g10,5 g36.550
1979250. Geburtstag Gotthold Ephraim Lessing50020,9 g10,5 g39.343
198075. Todestag Ernst Abbe50020,9 g10,5 g39.500
1981150. Todestag Freiherr vom Stein50020,9 g10,5 g39.264
1982125. Geburtstag Clara Zetkin50020,9 g10,5 g39.500
1983500. Geburtstag Martin Luther50020,9 g10,5 g40.500
1984225. Todestag Georg Friedrich Händel50020,9 g10,5 g35.900
1985125. Todestag Ernst Moritz Arndt50020,9 g10,5 g36.000
1986200. Geburtstag Brüder Grimm62520,9 g13,1 g37.650
1987750 Jahre Berlin, Stadtsiegel62520,9 g13,1 g36.575
1988100. Todestag Carl Zeiss62520,9 g13,1 g35.020
1989500. Geburtstag Thomas Müntzer62520,9 g13,1 g38.500
1990275. Todestag Andreas Schlüter62520,9 g13,1 g37.000
1990Öffnung des Brandenburger Tores (Feinsilber)999,518,2 g18,2 g154.525

Quellen: Feingehalt und Anlass nach Geldmarie, Gewicht und Auflage nach der Wikipedia-Liste der Gedenkmünzen der DDR. Auflagen sind Prägezahlen; wie viele Stücke heute noch existieren, weiß niemand genau, weil Rückläufer eingeschmolzen wurden.

Was an dieser Tabelle auffällt: Der Feingehalt sinkt von 800 über 625 auf 500 und steigt 1986 wieder auf 625. Wer nur „ab 1977 nur noch 500er“ im Kopf hat, unterschätzt die letzten fünf Jahrgänge. Und: Die Ausgabe zum Brandenburger Tor 1990 ist die einzige DDR-Münze aus fast reinem Silber, gleichzeitig die mit der höchsten Auflage unter den Silberausgaben. Dasselbe Motiv gibt es auch in Neusilber mit 15 Gramm. Waage.

Alle übrigen 20-Mark-Ausgaben wiegen 15 Gramm und enthalten kein Silber. Das sind: Heinrich Mann 1971, Ernst Thälmann 1971, Wilhelm Pieck 1972, Friedrich Schiller 1972, Otto Grotewohl 1973, 25 Jahre DDR 1974, 30 Jahre DDR 1979, 100. Todestag Karl Marx 1983 und die Neusilber-Fassung zum Brandenburger Tor 1990. Sie liefen als normales Umlaufgeld und wurden in Millionen geprägt.

Drei davon werden so oft gesucht, dass sie einen eigenen Absatz verdienen, weil die Antwort im Netz meist falsch ist:

20 Mark Ernst Thälmann 1971: Wert

Neusilber, 15 Gramm, Millionenauflage, Umlaufmünze. Die Münze enthält kein Silber; ihr Wert hängt allein am Sammlermarkt, und der ist bei Umlaufgeld in Millionenauflage übersichtlich. Interessant wird das Stück in prägefrischer Erhaltung oder in einer der seltenen Sonderqualitäten (siehe Prägequalität).

20 Mark Friedrich Schiller 1972: Wert

Ebenfalls Neusilber, 15 Gramm, Umlaufmünze mit Millionenauflage. Kein Silber. Nicht zu verwechseln mit der westdeutschen 5-DM-Schiller-Gedenkmünze von 1955, die aus Silber ist und tatsächlich zu den wertvollen Stücken gehört. Wenn in einem Nachlass „die Schiller-Münze“ liegt, entscheidet die Währungsangabe auf der Wertseite, welche der beiden es ist.

20 Mark Wilhelm Pieck 1972: Wert

Neusilber, 15 Gramm, Millionenauflage, Umlaufmünze. Kein Silber. Sammlerwert nur in prägefrischer Erhaltung oder in Sonderqualität.

10-Mark-Münzen der DDR: Silberausgaben im Überblick

Beim 10-Mark-Stück erschien von 1966 bis 1990 jedes Jahr mindestens eine Silberausgabe, 1974 und 1985 sogar zwei. 27 der 10-Mark-Motive bestehen aus Silber:

JahrAnlassFeingehaltGewichtFeinsilberAuflage
1966125. Todestag Karl Friedrich Schinkel (MDN)80017 g13,6 g48.883
1967100. Geburtstag Käthe Kollwitz (MDN)80017 g13,6 g61.940
1968500. Todestag Johannes Gutenberg62517 g10,6 g66.526
1969250. Todestag Johann Friedrich Böttger62517 g10,6 g66.652
1970200. Geburtstag Ludwig van Beethoven62517 g10,6 g72.343
1971500. Geburtstag Albrecht Dürer62517 g10,6 g61.224
1972175. Geburtstag Heinrich Heine62517 g10,6 g55.336
197375. Geburtstag Bertolt Brecht62517 g10,6 g55.413
197425 Jahre DDR62517 g10,6 g52.585
1974200. Geburtstag Caspar David Friedrich62517 g10,6 g49.416
1975100. Geburtstag Albert Schweitzer62517 g10,6 g63.433
1976150. Todestag Carl Maria von Weber50017 g8,5 g45.042
1977375. Geburtstag Otto von Guericke50017 g8,5 g43.443
1978175. Geburtstag Justus von Liebig50017 g8,5 g40.058
1979175. Geburtstag Ludwig Feuerbach50017 g8,5 g38.834
1980225. Geburtstag Gerhard von Scharnhorst50017 g8,5 g49.497
1981150. Todestag Georg Wilhelm Friedrich Hegel50017 g8,5 g49.500
1982Neues Gewandhaus Leipzig50017 g8,5 g49.165
1983100. Todestag Richard Wagner50017 g8,5 g49.500
1984100. Todestag Alfred Brehm50017 g8,5 g40.000
1985Wiedereröffnung der Semperoper Dresden50017 g8,5 g55.002
1985175 Jahre Humboldt-Universität Berlin50017 g8,5 g38.000
1986200 Jahre Charité Berlin50017 g8,5 g38.000
1987Schauspielhaus Berlin50017 g8,5 g46.100
1988500. Geburtstag Ulrich von Hutten50017 g8,5 g37.000
1989225. Geburtstag Johann Gottfried Schadow50017 g8,5 g39.200
1990175. Todestag Johann Gottlieb Fichte50017 g8,5 g40.564

Quellen wie oben. Beim 10-Mark-Stück blieb es nach 1976 bei 500er Silber bis zum Ende.

Alle übrigen 10-Mark-Ausgaben wiegen 12 Gramm, bestehen aus Neusilber und liefen überwiegend als Umlaufgeld: die Serien zu Jahrestagen von NVA und Kampfgruppen, die Jahrestagsausgaben zu 30 Jahren DDR 1979 und 40 Jahren DDR 1989, die Weltfestspiele 1973, der Weltraumflug 1978 und andere.

10 Mark Buchenwald 1972: Wert

Die Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald von 1972 ist die meistgesuchte 10-Mark-Münze der DDR und zugleich eine der häufigsten: Neusilber, 12 Gramm, Auflage über 3,5 Millionen laut Wikipedia-Liste, als Umlaufgeld ausgegeben. Sie enthält kein Silber. Ihr Wert hängt allein an der Erhaltung; ein Stück mit Kratzern aus dem Portemonnaie und ein prägefrisches Stück aus der Kassette sind zwei verschiedene Objekte.

Der Sonderfall 1985: 266 Stück in Gold

Die 10 Mark „40. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus“ 1985 gibt es in Neusilber als Umlaufmünze und, in 266 Exemplaren, in 900er Gold. Die Goldstücke waren Ehrengeschenke für ausländische Staatsgäste und kamen nie in den Handel der Staatsbank. Wenn ein solches Stück in einem Nachlass auftaucht, ist es eines der wertvollsten Objekte der DDR-Numismatik überhaupt. Prüfen Sie es nicht am Motiv, das ist identisch, sondern an Farbe und Gewicht: Gold ist schwerer als jede Silberlegierung.

5-Mark-Münzen der DDR: Wert ohne Silber

Hier steht der Satz, der in kaum einem Ratgeber so deutlich steht: Von den 5-Mark-Motiven der DDR enthält keines Silber. Alle 5-Mark-Gedenkmünzen bestehen aus Neusilber oder Kupfer-Nickel, eine aus Bronze. Ihr Wert ist ausschließlich ein Sammlerwert.

Das heißt nicht, dass sie nichts wert sind. Es heißt, dass der Wert von Auflage, Erhaltung und Prägequalität abhängt, nicht vom Metall. Die 5-Mark-Serien lassen sich grob in drei Gruppen teilen:

Die Massenausgaben. „XX Jahre DDR“ 1969 ist die auflagenstärkste Münze des Landes: über 50 Millionen Stück inklusive der Nachprägungen von 1979 bis 1990, alle mit der Jahreszahl 1969, aus Bronze, 9,7 Gramm. „Berlin, Hauptstadt der DDR“ mit dem Brandenburger Tor von 1971 folgt mit über 18 Millionen, Neusilber, und wurde in mehreren Jahren geprägt. Beide liefen als Umlaufgeld, wurden von Fahrkartenautomaten angenommen und liegen heute in fast jedem ostdeutschen Haushalt. Sammlerwert nur in prägefrischer Erhaltung oder in Sonderqualität.

Die Städte- und Denkmalserien. Die 5-Mark-Stücke zu Meißen, zur Wartburg, zu Städten und Bauwerken erschienen mit Auflagen von einigen hunderttausend Stück, in Neusilber. Meißen 1972 gehört dazu: Neusilber, kein Silber, mehrfach geprägt. Das ist die Gruppe, in der Erhaltung und Verpackung den Unterschied machen.

Die Kleinauflagen. Einzelne 5-Mark-Ausgaben der 1980er Jahre erschienen laut Wikipedia-Liste mit nur einigen zehntausend Stück, einzelne Sonderqualitäten mit wenigen Tausend. Das sind die Fünfer, die Sammler suchen. Sie erkennen sie nicht am Motiv, sondern an der Verpackung: verplombter Schuber, Kassette, Original-Etui.

Für alle drei Gruppen gilt: Die Waage hilft beim Fünfer nicht weiter. 9,6 oder 12,2 Gramm sind beides unedle Legierungen. Hier zählen Katalog, Auflage und Zustand.

Kursmünzen: Pfennig bis 2 Mark

Das Umlaufgeld der DDR, die „Aluchips“, wird fast so oft gesucht wie die Gedenkmünzen, und die Antwort ist meist ernüchternd. Drei Serien, ein Sonderfall:

SerieJahreNominaleMaterialKennzeichen
1. Serie1948–19501, 5, 10 PfennigAluminiumÄhre vor Zahnrad, Umschrift DEUTSCHLAND, Prägezeichen A (Berlin) und E (Muldenhütten)
50 Pfennig1950 (gültig bis 1958)50 PfennigAluminiumbronze, goldfarbenPflug vor Hüttenwerk
2. Serieab 1952/531, 5, 10 PfennigAluminiumHammer, Zirkel und Ähren
3. Serieab 19561, 5, 10, 50 Pfennig, 1 und 2 MarkAluminiumStaatswappen; 1 und 2 Mark bis 1972 „Deutsche Mark“, danach „Mark“
20 Pfennigab 196920 PfennigMessing (63 % Kupfer, 37 % Zink)schwerer als Aluminium, für Münzautomaten und Fernsprecher; Entwurf Axel Bertram

Quellen: Wikipedia „Mark (DDR)“, germanycash.de, MünzenWoche. Die Staatsbezeichnung „DEUTSCHLAND“ steht auf DDR-Münzen bis zum Jahrgang 1953; Muldenhütten prägte nur Aluminium-Kleinmünzen und schloss 1953.

50 Pfennig 1949 und 1950: die seltenste Kleinmünze der DDR

Das 50-Pfennig-Stück von 1950 fällt aus dem Rahmen: goldfarben statt silbrig, Aluminiumbronze statt Aluminium, ausgegeben am 1. September 1950 und schon am 1. Dezember 1958 außer Kurs gesetzt. Es ist eine häufige Münze mit einem berühmten Vorläufer. Von derselben Prägung existieren Probestücke mit der Jahreszahl 1949, die nie regulär in Umlauf kamen. Sammler wissen davon erst seit 1977. Die Literatur spricht von etwa acht bekannten Exemplaren in drei Varianten, die sich in der Schriftgestaltung der Wertseite unterscheiden. Sie gehören zu den seltensten deutschen Nachkriegskleinmünzen. Wer im Nachlass einen goldfarbenen Fünfziger findet, sieht deshalb zuerst auf die Jahreszahl.

20 Pfennig 1969: Messing statt Aluminium

Das 20-Pfennig-Stück war die letzte neu eingeführte Kursmünze der DDR und die einzige aus Messing. Der Grund war praktisch: Aluminiummünzen waren zu leicht für Münzautomaten und Fernsprecher. Der Erstjahrgang 1969 wurde nach Angaben von CoinWeek mit über 167 Millionen Stück geprägt, die Münze bis 1990 in vielen weiteren Jahrgängen. Fast jedes Stück, das heute auftaucht, ist gewöhnliches Umlaufgeld. Was zählt, sind Jahrgang und Erhaltung, nicht das Motiv. Das 20-Pfennig-Stück ist übrigens die Antwort auf die häufig gestellte Frage, welche DDR-Münze aus Messing war.

1 Pfennig: Aluminium, seltene Jahrgänge

Das 1-Pfennig-Stück wiegt weniger als ein Gramm und wurde in allen drei Serien über Jahrzehnte in dreistelligen Millionenauflagen geprägt. Sammlerwert entsteht nur bei bestimmten Jahrgängen und Prägezeichen in prägefrischer Erhaltung, dort aber durchaus. Welche Jahrgänge das sind, gehört in einen Münzkatalog und nicht in einen Ratgeber, der in zehn Jahren noch stimmen soll. Wer eine Handvoll Alu-Pfennige aus der Küchenschublade hat, hat in aller Regel Umlaufgeld.

Die echten Raritäten

Unter allen Gedenk- und Kursmünzen der DDR gibt es eine Handvoll Stücke, deren Wert nichts mit dem Metall zu tun hat. Sie zu kennen lohnt sich, weil man sie am Motiv nicht erkennt:

Das Gold-Unikat. Die 20 Mark „150. Geburtstag Karl Marx“ 1968 existiert in 999er Gold genau einmal, angefertigt zum 75. Geburtstag Walter Ulbrichts, heute im Deutschen Historischen Museum. Sie werden es nicht in einer Schachtel finden, aber Sie sollten wissen, dass es die seltenste DDR-Münze ist.

Die 266 Goldstücke von 1985. Siehe oben: 10 Mark „40. Jahrestag der Befreiung“, 900er Gold, Staatsgeschenke. Einzelne Stücke sind seither im Handel aufgetaucht.

Der 50-Pfennig 1949. Etwa acht Probestücke, siehe Kursmünzen.

Probeabschläge. Von vielen Gedenkmünzen existieren Abschläge in anderen Materialien: Aluminium, Kupfer-Nickel, Silber statt Neusilber und umgekehrt. Die Wikipedia-Liste nennt als Beispiel eine Materialprobe aus 75 Prozent Kupfer und 25 Prozent Nickel mit 12.741 Exemplaren; bei den meisten Proben ist die Zahl unbekannt. Manche tragen statt der Jahreszahl das Wort „PROBE“. Ein Probeabschlag sieht auf der Bildseite genauso aus wie die reguläre Münze. Der Unterschied liegt im Gewicht und in der Farbe, und genau dafür steht die Gewichtstabelle oben.

Polierte Platte in Kleinauflage. Ab 1974 erschienen viele Silberausgaben zusätzlich in Polierter Platte, meist in verplombten Kunststoffschubern und in Auflagen von wenigen Tausend. Ein Silberstück in PP mit intakter Plombe ist ein anderes Objekt als dasselbe Stück in Stempelglanz aus der Schublade.

Der Ton ist hier bewusst nüchtern. In den meisten Nachlässen liegt kein Goldstück von 1985. Aber in vielen liegt ein verplombter Schuber, den jemand vor dreißig Jahren im Intershop gekauft hat, und der ist mehr wert als sein Silber.

Prägequalität, Verpackung, Zustand

Drei Herstellungsqualitäten kommen bei DDR-Münzen vor:

  • Stempelglanz ist der Standard: die normale Prägung, wie sie die Staatsbank ausgab.
  • Polierte Platte ist die Sammlerqualität mit spiegelnden Flächen und mattem Relief, meist im verplombten Kunststoffschuber.
  • Spiegelglanz gab es nur bei Neusilber-Ausgaben als Exportqualität: mit polierten Stempeln auf langsam laufenden Maschinen geprägt, von Hand entnommen, von 1979 bis 1986 in Kassetten aus Hartkunststoff, von 1987 bis 1990 eingeschweißt.

Daraus folgen drei Regeln für den Umgang mit einem Fund:

Verplombte Schuber und Kassetten nie öffnen. Die Plombe ist der Beweis für die Qualität. Eine geöffnete PP-Münze ist eine Münze mit Fingerabdrücken.

Münzen nicht reinigen. Weder Silber noch Neusilber. Jede Politur trägt Metall ab, jedes Tuch hinterlässt Haarkratzer, und Sammler sehen beides sofort. Anlaufpatina auf Silber ist kein Schaden. Was beim Reinigen alter Münzen schiefgeht und warum, steht im Ratgeber Münzen reinigen.

Jahreszahl ist nicht Prägejahr. Die 5 Mark „XX Jahre DDR“ wurde von 1979 bis 1990 jährlich nachgeprägt, immer mit der Jahreszahl 1969; einzelne weitere Ausgaben wurden ebenfalls nachgeprägt. Eine frühe Prägung und eine Nachprägung sehen gleich aus. Wer den Unterschied wissen will, braucht Katalog und Lupe.

Was DDR-Münzen heute wert sind

Nach den Tabellen kennen Sie die Antwort auf die eine Frage, an der alles hängt: Silber oder nicht. Die Wertlogik dahinter hat zwei Stufen.

Der Materialwert ist der Boden. Bei einer Silberausgabe rechnen Sie Feinsilber mal Silberkurs, und unter diesen Betrag fällt der Wert nicht, egal wie das Stück aussieht. Den tagesaktuellen Silberpreis je Gramm und Feingehalt finden Sie in unserer Edelmetall-Preisliste. Bei einer Neusilber-Ausgabe gibt es diesen Boden nicht; ihr Wert ist ein reiner Sammlerwert oder keiner.

Der Sammlerwert ist der Aufschlag. Er entsteht aus Kleinauflage, Polierter Platte mit Plombe, Original-Etui, Probeabschlägen, seltenen Jahrgängen und prägefrischer Erhaltung. Bei den Silberausgaben in Massenauflage, die den Großteil jeder Sammlung ausmachen, liegt der Sammlerwert nahe am Materialwert. Bei wenigen Stücken liegt er deutlich darüber. Der Unterschied zwischen beiden Gruppen ist der Unterschied zwischen einer Scheideanstalt und einem Auktionshaus: Die Scheideanstalt zahlt den Boden, das Auktionshaus kann den Aufschlag abbilden, wenn es ihn gibt.

Warum DDR-Gedenkmünzen so häufig im Westen liegen, erklärt ihre Geschichte: Die Silberausgaben wurden überwiegend gegen Devisen an Sammler in der Bundesrepublik und über die Intershops verkauft. Innerhalb der DDR bekamen nur die im Kulturbund organisierten Numismatiker eine Zuteilung von 6.000 Stück je Münze, zum Nennwert plus zwei Mark für Etui und Verwaltung. Komplette DDR-Silbersammlungen stehen deshalb heute eher in einem schwäbischen Wohnzimmerschrank als in einem sächsischen. Und weil Restbestände und Rückläufer eingeschmolzen wurden, sind einige Ausgaben seltener, als ihre Auflage vermuten lässt.

Was wir machen, ist eine Einschätzung am Objekt — kein Gutachten. Der Unterschied hat eine praktische Folge: Für Gericht, Erbauseinandersetzung oder Versicherung wird eine förmliche Bewertung verlangt, die nur öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige erstellen. Sie finden sie über das Sachverständigenverzeichnis der IHK. Für die Frage, was Ihre Münzen am Markt bringen, brauchen Sie das nicht.

Für D-Mark-Münzen gilt eine andere Logik: Die tauscht die Bundesbank unbefristet zu 1,95583 DM je Euro um, und der Umtauschkurs ist der Boden. Was bei westdeutschen Münzen Silber enthält und was nicht, steht im Ratgeber DM-Münzen: Wert und Silbergehalt. Die allgemeine Vorgehensweise für alle Münzen, vom Kaiserreich bis zum Euro, im Überblick Münzen: Wert ermitteln.

DDR-Münzen verkaufen: Ankauf oder Auktion

Zwei Wege, ein Prinzip: Das Stück entscheidet, nicht der Verkäufer.

Ankauf passt zu Silberausgaben in Massenauflage in gewöhnlicher Erhaltung: Der Wert ist der Silberwert, der Weg kurz. Einlieferung zur Auktion passt zu allem, was einen Sammlermarkt hat: Kleinauflagen, PP mit Plombe, Proben, Goldstücke, der 50-Pfennig 1949, komplette Sammlungen mit Etuis. Dort entscheidet nicht unsere Einschätzung über den Preis, sondern die Bieter im Saal und online.

Wir sehen uns Sammlungen als Ganzes an und sagen Ihnen, welche Stücke einen Markt haben und welche nicht. Ob wir Konvolute aus reinen Neusilber-Ausgaben annehmen, prüfen wir am Einzelfall; bei gemischten Sammlungen gehören sie zum Ganzen dazu. Bei Silberausgaben in Massenauflage nennen wir Ihnen beide Wege, Ankauf oder Einlieferung, je nachdem, was für das Stück mehr bringt. Eine Zusage, was am Ende herauskommt, gibt es vor der Besichtigung nicht, von niemandem.

Bevor Sie etwas einpacken: Lassen Sie die Sammlung so, wie sie ist. Nicht sortieren, nicht aus den Etuis nehmen, nicht polieren. Der Zustand, in dem eine Sammlung vierzig Jahre im Schrank stand, ist meist der beste, den sie je haben wird.

Vor-Ort-Termine bieten wir im Umkreis von rund 100 Kilometern um Stuttgart an, Einsendungen nach Absprache. Wie der Ablauf aussieht, welche Unterlagen helfen und was Sie zum Termin mitbringen, steht auf der Seite Münzen verkaufen in Stuttgart. Wenn es um eine ganze Sammlung geht, um Alben, Kassetten und Schuber aus Jahrzehnten, ist der bessere Einstieg die Seite Münzsammlung verkaufen.

Häufige Fragen zu DDR-Münzen

Was sind DDR-Münzen wert? (Tabelle)

Das hängt zuerst am Material: Die Tabellen oben zeigen für jede der 53 Silberausgaben zu 10 und 20 Mark Feingehalt, Gewicht und Feinsilber; alle 5-Mark-Stücke und alle übrigen 10- und 20-Mark-Stücke enthalten kein Silber. Bei Silberausgaben ist der Materialwert (Feinsilber mal Tageskurs) der Boden, ein Sammleraufschlag kommt bei Kleinauflage, Polierter Platte, Etui und prägefrischer Erhaltung dazu. Bei Neusilber-Ausgaben gibt es nur den Sammlerwert, und der hängt allein an Auflage und Zustand.

Sind DDR-Münzen noch etwas wert?

Als Zahlungsmittel nicht: Die Deutsche Bundesbank tauscht Banknoten und Münzen der SBZ und der DDR nicht mehr um, DDR-Geld kann seit der Währungsunion 1990 nicht in Euro getauscht werden. Was bleibt, ist der Materialwert der 53 Silberausgaben und der Sammlerwert einzelner Stücke. Beides kann erheblich sein, beides hat mit dem Nennwert nichts zu tun.

Welche DDR-Münzen sind aus Silber?

Genau 53 Gedenkmünzen: 27 zu 10 Mark und 26 zu 20 Mark, geprägt von 1966 bis 1990 in 800er, 625er, 500er und einmal 999,5er Silber. Kein 5-Mark-Stück und keine Kursmünze enthält Silber. Die vollständigen Listen mit Feingehalt je Ausgabe stehen oben; die Waage bestätigt es: 17 Gramm beim 10-Mark-Stück, 20,9 Gramm beim 20-Mark-Stück.

Welche DDR-Münzen sind wertvoll?

Über den Materialwert hinaus: Silberausgaben in Polierter Platte mit intakter Plombe, die frühen 800er-Ausgaben von 1966 bis 1968, Probeabschläge in abweichendem Material, die 266 Goldstücke von 1985, das 50-Pfennig-Probestück von 1949 und einzelne 5-Mark-Ausgaben der 1980er Jahre mit Kleinauflage. Umlaufgeld in Millionenauflage wird nur in prägefrischer Erhaltung interessant. Welche Stücke in einer konkreten Sammlung dazugehören, sieht man erst am Objekt.

Was ist eine 20-Ostmark-Münze wert?

Zuerst wiegen: 20,9 Gramm bedeutet Silber (bei der Ausgabe von 1990 zum Brandenburger Tor 18,2 Gramm Feinsilber), 15 Gramm bedeutet Neusilber ohne Silberanteil. Bei Silber ist der Feinsilbergehalt der Boden des Wertes, der Feingehalt steht in der 20-Mark-Tabelle oben. Bei Neusilber, etwa Thälmann 1971, Pieck 1972 oder Schiller 1972, hängt der Wert allein am Sammlermarkt und damit an der Erhaltung.

Wer kauft DDR-Münzen?

Münzhändler, Auktionshäuser und Scheideanstalten. Die Scheideanstalt zahlt den Silberwert und nur den, für Neusilber gar nichts. Händler und Auktionshäuser können den Sammlerwert abbilden, wenn er da ist. Wir kaufen DDR-Münzen an und nehmen sie zur Versteigerung entgegen, je nachdem, was für das Stück der bessere Weg ist; die Entscheidung fällt am Objekt, nicht am Telefon.

Was ist aus DDR-Zeiten wertvoll?

Bei Münzen die Stücke, die dieser Ratgeber beschreibt. Daneben Briefmarken: Die DDR-Philatelie hat ihre eigenen Raritäten, Fehldrucke und Kleinauflagen, dazu der Ratgeber DDR-Briefmarken: Wert. Banknoten der Staatsbank aus den 1970er und 1980er Jahren sind dagegen in aller Regel Massenware; Sammlerwert haben vor allem frühe Serien.

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70193 Stuttgart
0711 / 953 387 04
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