Franz I. als Sammler

Die Sammlungsgeschichte Franz I. beginnt vorrangig mit der Erweiterung der mittelalterlichen Burg in Fontainebleau südlich von Paris um 1530 und der künstlerischen Ausgestaltung der Schlossanlage, in der ein Großteil der erstandenen Kunstwerke ausgestellt wurde. Sie geht voran mit Henry IV. und endet ein Jahrhundert später mit Ludwig XIV., der die meisten Werke nach Versailles bringen lässt. Nach der Revolution bilden diese Werke den Grundstock der italienischen Gemäldesammlung des Musée du Louvre. Die Sammlung Franz’ I. wurde weder Zeit seines Lebens noch nach seinem Tod genau inventarisiert was eine heutige Betrachtung schwierig macht. Verschiedene Quellen geben nur teilweise Aufschluss darüber, was tatsächlich im Besitz des Königs war. 

Im Jahr 1515 wurde der vorrangig humanistisch gebildete 21 jährige François d’Angoulême aus dem Hause der Valois mit der Tochter des vorangegangenen kinderlosen Königs Ludwig von Orléans, Claude de Bretagne, verheiratet und in Folge in der Kathedrale von Reims zu König Franz I. von Frankreich gekrönt. Er regierte das Land bis zu seinem Tod 1547. Ihm wird ein außerordentlich froher und unbeschwerter Geist nachgesagt, dessen 32 jährige Herrschaft trotz eines korrupten Hofes und erfolgloser italienischer Feldzüge als sehr glanzvoll beschrieben wird. Franz war nicht der erste sammelnde französische Monarch, allerdings baute er unter anderem die Sammlung Charles’ V. in so umfangreichem Maße aus, dass der Zeit seiner Regentschaft das „Recht [auf] das Goldene Zeitalter der französischen Renaissance“ zugeschrieben wird. Nur die Zeit Ludwigs XIV. sollte diese übertreffen. Mit der Rückkehr aus den italienischen Kriegen nach Frankreich im Jahr 1516 brachte Franz I. die Vorliebe für die italienische Lebensweise mit an den Hof und seine Begeisterung hierfür nahm von da an stetig zu. Er soll sich bereits in jungen Jahren sehr für Kunst zu interessieren begonnen haben.

In den überaus Kunstinteressierten König wurde schon früh die Hoffnung gesetzt, er werde einen Aufstieg der Künste in Frankreich bewirken. Er versammelte eine Entourage an gebildeten Zeitgenossen um sich, Schriftsteller, Künstler, Humanisten. Man nannte ihn „bald nach seinem Regierungsantritt den Musenführer, Musagetes, und erklärte nach Plato denjenigen König zum besten König, der auch gleichzeitig Philosoph sei und sich mit Gelehrten umgäbe. Franz I. nahm diese Rolle an.“ In vielen Darstellungen wird der König deshalb „nicht nur als Krieger, sondern auch als Förderer der ‚litterae‘ [dargestellt]“. Er gründete in seiner Amtszeit mehrere Universitäten, sorgte für die Denkmalpflege antiker Bauwerke und förderte das Studium alter Sprachen, indem er bedeutende Werke in die französische Sprache übersetzen ließ. Der “rex artifex” umgab sich unter anderem auch mit Leonardo da Vinci. Der Universalkünstler kam im Jahr 1516 auf Einladung des Königs an den französischen Hof, war allerdings schon so betagt, dass er „unter rein künstlerisch-produktiven Gesichtspunkten bereits ausfiel, weil er kaum noch malen konnte“

 

Schloss Fontainebleau

Im 18. Jahrhundert existiert das Schloss in Fontainebleau als Konglomerat verschiedener Gebäude aus unterschiedlichen Epochen. Die ersten Aufzeichnungen, die das Schloss als königliche Residenz festsetzen finden sich hingegen bereits mit der Regierung Ludwigs VII. im zwölften Jahrhundert. Nachdem das Schloss über die Jahre extrem angewachsen war, stand es über hundert Jahre leer. Unter der zweiunddreißig Jahre andauernden Regierung Franz’ I. wurde es von 1515 bis 1547 zu einem Standort künstlerischer und architektonischer Höhepunkte. Nachdem der König aus seiner Gefangenschaft in Madrid im Jahr 1526 zurückgekehrt war, eine Folge der Niederlage in der Schlacht von Pavia ein Jahr zuvor, begann er die Schlossanlage auszubauen und holte dafür einige der führenden italienischen Maler und Architekten nach Frankreich. Die bis dahin präferiert genutzten Residenzen an der Loire wurden mit diesem Entschluss zwar nicht aufgegeben, allerdings verlagerte sich die Bautätigkeit Franz’ I. mehr in Richtung der Île-de-France. Gründe hierfür waren vorrangig strategischer Natur, unter anderem war das Volk durch die lange Abwesenheit des Königs eher negativ gestimmt und seine Präsenz in der Nähe der Hauptstadt war vonnöten.

Obwohl der König „neben Neubauten wie Chambord […] stets auch Veränderungen an bereits bestehenden Schloßanlagen vorgenommen“ hatte, galt sein Hauptaugenmerk der Umstrukturierung der Schlossanlage von Fontainebleau. Hierfür war unter anderem die Lage in einer waldreichen Umgebung und die damit geschaffenen idealen Jagdbedingungen für den der Jagd zugetanen König eine Ursache. Das ehemalige mittelalterliche Jagdschloss bestand „aus einer ringförmigen Schloßanlange mit einem mächtigen Donjon, an die eine Mathurinerabtei angegliedert war, als es ab 1528 schrittweise umgebaut wurde.“ Im Zeitraum von 1530 bis 1540 wurden mehrere Teile der Residenz neu strukturiert, so der Cour Ovale, der Cour des Fontaines und der Cour de Cheval Blanc. Diese Arbeiten wurden von dem aus Paris stammenden Architekten Gilles Le Breton und vorrangig von den Italienern Benvenuto Cellini, Il Rosso und Francesco Primaticcio übernommen. Die meiste Arbeit wird Primaticcio zugesprochen. Seine Arbeiten beschränken sich „auf die Programme […] der [dem] Cour Ovale zugewandten Privatgemächer, den Donjon und die angrenzenden Gebäudeteile“. Il Rosso wird die Hauptarbeit an der Galerie Franz’ I. zugeschrieben. Die Arbeiten dort dauerten insgesamt neun Jahre bis zur Fertigstellung.

Im Zuge des Um- und Anbaus wurde Fontainebleau zur favorisierten Residenz des Königs, obwohl der französische Hof am Anfang des 16. Jahrhunderts noch keine dauerhafte Residenz kannte. Der Tradition zufolge reiste der Hofstaat dauerhaft durch das Königreich. Nach 1528 verbrachte der König jedoch mit Ausnahme von Paris die meiste Zeit in Fontainebleau. 

Mögliche Kunstkammer auf Schloss Fontainebleau

Die Existenz einer Kunst- und Wunderkammer oder eines Kuriositätenkabinetts in europäischer Tradition des beinahe als ‚sammelwütig’ zu bezeichnenden französischen Königs liegt nahe. Franz I. besaß neben Tapisserien und Manuskripten und den wertvollen großen Gemälden namhafter Künstler andere wertvolle und unübliche Schätze, die wohl in einem Raum über den königlichen Appartements im oberen Stockwerk des Donjon aufbewahrt wurden.

Leider existiert keine exakte Dokumentation der Dinge, die zu Lebzeiten Franz’ I. in diesem Raum aufbewahrt wurden, was ein Nachvollziehen der Besitztümer des französischen Herrschers schwierig macht.

Fontainebleau als ‚Gesamtkunstkammer‘

Zweifelsohne handelt es sich bei der Sammlung Franz’ I. um eine als sehr bedeutsam zu bewertende Sammlung in italienischer Tradition. Darüber hinaus kann, betrachtet man die vielfältige Sammlungsgeschichte und das Miteinbeziehen von qualitativ hochwertiger Kunst, wohl von Schloss Fontainebleau als von einer ‚Gesamtkunstkammer‘ gesprochen werden und diese Bezeichnung zu Recht auf die gesamte Schlossanlage ausgeweitet werden. Sowohl innen als auch außen bemerkt der Betrachter die Kunst italienischen Ursprungs.  Es handelte sich in diesem besonderen Fall nicht allein um eine autonome Kunst- und Wunderkammer oder ein Kuriositätenkabinett in typischer Tradition – durch die Ausstattung des gesamten Schlosses mit Kunstwerken, in den Bädern, Galerien, der Bibliothek und beinahe allen Räumen – scheint die Betrachtung des ‚Gesamtkunstwerkes‘ Fontainebleau legitim. Die Sammellust des (zu Recht) selbst ernannten ‚Kunstpatrons‘ König François Ier von Frankreich unterstützt diese.

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