Die Zentralperspektive

Das vom lateinischen Begriff ‚perspicere‘ – ‚genau ansehen‘ stammende Wort Perspektive beschäftigt sich mit der Wiedergabe des optischen Eindrucks von räumlichen Gegebenheiten mittels eines konstruktiven geometrischen Systems. Als antike Hauptquelle für die Kenntnis der Zentralperspektive gilt Euklid, dessen Optiktraktat neben Vitruvs umstrittenem Architekturtraktat Texte über die geometrische Optik zugrunde legen. Nachdem einzelne Elemente also schon in der griechischen und besonders in der römischen Wandmalerei vorkamen, verdrängte die Malerei des Mittelalters die perspektivische Darstellung fast völlig und brachte stattdessen eine flächige, von Farben dominierte Malweise hervor. Als Wegbereiter der modernen Perspektivdarstellung gilt Giotto, der seine Figuren durch Kastenräume in einen geschlossenen Bildraum setzte. Beispiellos gelten hier die Wandmalereien der Arena-Kapelle Paduas.

Die Renaissance in Florenz

Zu Beginn der Renaissance entwickelte sich in Florenz die perspektivisch richtige Malerei auf der Grundlage mathematischer Berechnungen, was vor allem am zunehmenden wissenschaftlichen Interesse lag. Filippo Brunelleschi (1377-1446) und Leon Battista Alberti (1404-1472) gelten als Entdecker der damit zusammenhängenden Zentralperspektive, also einer linearen geometrischen Projektion des dreidimensionalen Raums auf eine zweidimensionale Bildebene. Mit ihnen änderte sich die Bedeutung des Begriffs Perspektive von der Optiklehre im weiten Sinn zur Raumdarstellung auf der Bildebene. Brunelleschi gelang es erstmals Verkleinerungen und Vergrößerungen, wie sie dem Auge erscheinen, zu erfassen und Hintergründe mit Personen und Objekten in korrekter Relation darzustellen. Es wird vermutet, dass Brunelleschi die Methode der perspektivischen Verkürzung anhand des Spiegelbilds entdeckte. Das Spiegelbild habe ihm gezeigt, dass der dreidimensionale Raum exakt auf der zweidimensionalen Ebene darstellbar ist. „Der flache Spiegel gibt die Größe des Objekts und die Distanz zum Spiegel so wieder, wie das Objekt vor dem Spiegel zu sehen ist; das virtuelle Bild erscheint allerdings an einem anderen Ort und seitenverkehrt. Verkürzungen werden vom Spiegel, wie sie zu sehen sind, übernommen.“ Das Bild ist im Flachspiegel also ein wahres Abbild des Gesehenen und das gemalte Bild stimmt mit dem Spiegelbild exakt überein, woraus das gemalte Bild als ein wahres Abbild des Gesehenen folgt. „Augenpunkt und Fluchtpunkt liegen auf einer Linie – dem Zentralstrahl – und stimmen frontal gesehen exakt überein.“ Alberti soll die geometrische Konstruktion der Zentralperspektive als erster in seinem Malereitrakrat von 1435 beschrieben haben. Als erster Künstler, der diese umsetzt, gilt Masaccio mit seinem Trinitätsfresko in der S. Maria Novella in Florenz von 1428. Noch nicht perfekt umgesetzt, gibt es allerdings geringe Abweichungen, die die zentralperspektivisch korrekte Distanz zwischen Betrachter und Bildebene nicht mehr ohne weiteres berechenbar machen.

Insgesamt soll ein Erscheinungsbild der Realität erstellt werden, welches der natürlichen Wahrnehmung am Nächsten kommt. Der Erstellungsstandpunkt fällt mit dem Betrachterstandpunkt zusammen. Zudem wird die Sinnestäuschung berücksichtigt, nach der Objekte mit zunehmender Entfernung kleiner erscheinen und die parallel in die Bildtiefe führenden Fluchtlinien zusammentreffen, obwohl sie weiterhin parallel zueinander bleiben. Wenn vom einäugigen Sehen ausgegangen wird, kann man sich die Konstruktion der Zentralperspektive besser veranschaulichen. Kurz gefasst beruhen die Prinzipien der Zentralperspektive auf der perspektivischen Verkürzung. Alle Fluchtlinien schneiden sich im Fluchtpunkt. Dinge, die vom Betrachter als weiter entfernt erkannt werden sollen, sind kleiner dargestellt als Gegenstände im Vordergrund. Zusätzlich existiert noch der sogenannte Augenpunkt, welcher den Blickwinkel des Betrachters bestimmt. Ein hoher Augenpunkt kennzeichnet die Vogelperspektive, ein sehr tiefer positioniert den Blick des Betrachters aus der Froschperspektive. Gleichmäßige Verkürzung bestimmt die Qualität der Tiefenwirkung im Bild. Verstärkungen der Zentralperspektive können zudem noch unter Zuhilfenahme der Beleuchtungsperspektive erreicht werden. Gegenstände im Hintergrund werden dazu heller beziehungsweise blasser dargestellt als solche im Vordergrund.

ts

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